
Verhaltener Optimismus als Jahresbilanz
Hälfte der mittelständischen Unternehmen ist mit eigener Geschäftslage zufrieden. Investitionsbereitschaft steigt zumindest verhalten. Probleme sind US-Wirtschaftspolitik, Fachkräftemangel und Bürokratie. Negative Bewertung für Standortpolitik der Bundesregierung.
Österreichs Unternehmen standen auch 2025 vor zahlreichen Herausforderungen, national sind das insbesondere eine anhaltend zaghafte Konjunktur und eine schwache Gesamtwirtschaftsleistung. Bei den mittelständischen Betrieben macht sich aber trotzdem verhaltener Optimismus breit.
Im Vergleich zum Vorjahr bewerten achtzig Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage positiver und erwarten hier zukünftig noch eine weitere Verbesserung. Die Hälfte der Betriebe ist sogar uneingeschränkt zufrieden, eine Steigerung von knapp über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Unterschiedliche Sichtweisen in den einzelnen Branchen
Die Einschätzung dieser aktuellen Geschäftslagen variiert jedoch stark nach Branche : Während im Bereich Gesundheit/Life Science 80 Prozent der befragten Unternehmen eine uneingeschränkt gute Bewertung abgeben, liegt dieser Anteil bei Industrieunternehmen bei lediglich 40 Prozent.
Auch Finanz- und andere Dienstleister und der Bereich Handel und Konsumgüter bewerten die eigene Geschäftslage unterdurchschnittlich häufig als gut. Größere Unternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als 30 Millionen Euro schätzen ihre aktuelle Geschäftslage deutlich häufiger als gut ein als kleinere Unternehmen mit Jahresumsätzen von weniger als zehn Millionen Euro.
Der Blick in die Kristallkugel
Der Blick in die Zukunft ist ebenfalls positiv : 30 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der eigenen Geschäftslage, nur neun Prozent mit einer Eintrübung (2024 noch 19 Prozent). Besonders optimistisch ist weiterhin die Tourismusbranche mit 49 Prozent, das sind nahezu doppelt so viele wie im Vorjahr (27).
Ein negatives Bild zeigt der Bereich Transport, Verkehr und Energie, wo 16 Prozent mit einer Verschlechterung der eigenen Geschäftslage rechnen. Über alle Sparten hinweg bleibt Luft nach oben : Der Anteil der Unternehmen, die ihre aktuelle Geschäftslage positiv bewerten, liegt weiter deutlich unter dem Durchschnitt.
Umfassende Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY
Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die im August und September 2025 über 500 Verantwortliche von mittelständischen, nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeiter:innen in Österreich befragt wurden. Das EY Mittelstandsbarometer erscheint seit 2008.
„Österreichs Unternehmen sind zäh, sie haben schon oft ihre Resilienz bewiesen. Die Zahl der Pessimist:innen ist leicht gesunken, eine gewisse Aufbruchsstimmung macht sich breit“, sagt Erich Lehner, Verantwortlicher für den Mittelstand bei EY Österreich. „Skepsis bleibt, äußere Faktoren wie Sorgen vor wirtschaftlichem Abschwung und hohe Energiepreise drücken auf das Geschäftsklima“, so Lehner.
Skeptische Konjunkturprognose, aber Investitionsaufschwung
Beim Thema Konjunktur haben sich die Erwartungen gegenüber dem Vorjahr kaum verändert : Zwar ist der Anteil der Konjunkturpessimisten von 39 Prozent auf aktuell 35 Prozent gesunken (niedrigster Wert seit Jänner 2022), allerdings ist auch der Anteil derer, die mit einer Verbesserung der Wirtschaftslage in Österreich rechnen, gesunken : von 19 Prozent auf aktuell 16 Prozent.
Trotz Konjunkturbedenken planen Österreichs Mittelständler zu investieren : Gut jeder Sechste (18 Prozent) will verstärkt Investitionen tätigen, nur zehn Prozent planen weniger Investitionen. „Unterm Strich ist also damit zu rechnen, dass die Investitionen im österreichischen Mittelstand im kommenden Halbjahr eher steigen werden, wenn auch verhalten“, erläutert Erich Lehner von EY.
Die Bewertung der heimischen Standortpolitik
„Investitionen in Ausrüstung, Maschinen oder Bauten sind ohne Frage wichtig, doch die menschliche Komponente darf nicht vergessen werden. Der Fachkräftemangel ist seit Jahren die größte Wachstumsbremse für den heimischen Mittelstand“, ergänzt Lehner.
Im Kontext mit der nationalen Standortpolitik gibt es nur von 13 Prozent der Mittelständler eine positive Bewertung, ein gutes Drittel stellt hingegen ein negatives Zeugnis aus. In allen Bundesländern überwiegen die negativen gegenüber den positiven Bewertungen, einzig der Sektor Soziales, Wissenschaft und Bildung steht der aktuellen Standortpolitik ausgeglichen gegenüber (ex aequo 20 Prozent positiv/negativ).
Weniger Bürokratie, Senkung von Lohnnebenkosten und mehr Fachkräfte
Eine besondere Belastung geht von der Bürokratie aus, weiterhin sehen sich 52 Prozent der befragten Unternehmen eingeschränkt. Am höchsten ist der Anteil der Unternehmen mit 30 Prozent im Bereich Transport, Verkehr, Energie, gefolgt von der Industrie (26) und dem Tourismus (25). Größere Unternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als 30 Millionen Euro fühlen sich häufiger sehr stark belastet als kleinere Unternehmen.
„Die Wünsche an die Politik formulieren die Mittelständler klar : Senkung von Lohnnebenkosten, Verbesserung der Verfügbarkeit von Fachkräften und Reduktion der Steuer- und Abgabenlast für Unternehmen. Hier gilt es, realistische Kompromisse zu finden – vor allem, weil Politik und Wirtschaft idealerweise an einem Strang ziehen“, unterstreicht Lehner.
Die internationale Wirtschaftspolitik und die Geschäftslage in den Bundesländern
Die aktuelle Wirtschaftspolitik in den USA schlägt sich auch hierzulande nieder. Auch wenn vier von fünf Mittelständlern keine Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftspolitik in den USA auf den eigenen Betrieb bemerken, spüren 14 Prozent negative Effekte und lediglich drei Prozent positive. Am höchsten ist der belastete Anteil unter größeren Unternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als 30 Millionen Euro.
Die aktuelle Geschäftslage wird in Tirol von sechs von zehn Unternehmen als gut eingeschätzt, gefolgt von Wien und Niederösterreich mit fünf von zehn. Salzburg ist vom zweiten Platz auf Platz 4 abgerutscht. Das Schlusslicht bildet 2025 das Burgenland, wo nur 41 Prozent die Geschäftslage positiv bewerten.
Der Optimismus der Wiener und der Pessimismus der Kärntner
Der Blick in die Zukunft gestaltet sich erneut bei Wiener Unternehmen am besten, sogar noch optimistischer als im Vorjahr : 40 Prozent rechnen damit, dass sich die eigene Geschäftslage verbessern wird, gefolgt von Salzburg (33) und der Steiermark (31). Das Burgenland liegt hier mit 17 Prozent ebenfalls auf dem letzten Platz.
Zu einem Wechsel auf den Stockerlplätzen ist es auch bei den Investitionsbestrebungen gekommen : Vorarlberg (25 Prozent) sowie Tirol (22) und Salzburg (20) planen die stärksten Investitionen. Im Vorjahr führte Wien (16) das Ranking an. In Kärnten schaut es hier alles andere als rosig aus, hier ist es geplant, mehr Investitionen zu reduzieren als zu steigern.
Das Thema Mitarbeiter
Während in Gesamtösterreich ein Viertel (24 Prozent) plant, die Anstellungen zu steigern, zieht Vorarlberg an allen anderen Bundesländern vorbei : Vier von zehn Mittelständler möchten ihr Team ausbauen. Kärnten und Wien teilen sich mit je 27 Prozent Platz 2.
In Vorarlberg und dem Burgenland ist das Gegenteil der Fall : Im Ländle plant ein Viertel (23 Prozent) die Beschäftigungsverhältnisse zu reduzieren und nur 15 Prozent diese zu steigern. Im Burgenland sind noch weniger Neuanstellungen geplant. (red/czaak)