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Ver­steckte Krank­heits­er­re­ger im Wasser

Stu­die der Karl Land­stei­ner Pri­vat­uni­ver­si­tät zeigt das bis dato uner­kannte Über­dau­ern von Darm­vi­ren in Was­ser­a­mö­ben. Die For­scher for­dern eine sofor­tige Neu­be­ur­tei­lung von Regeln und Unter­su­chun­gen zur Wassersicherheit.

Wich­tige Aus­lö­ser vira­ler Magen-Darm-Erkran­kun­gen kön­nen über län­gere Zeit in frei­le­ben­den Amö­ben über­dau­ern, die in natür­li­chen und tech­ni­schen Was­ser­sys­te­men weit ver­brei­tet sind. Dies ist das Ergeb­nis einer Stu­die der Karl Land­stei­ner Pri­vat­uni­ver­si­tät (KL Krems) gemein­sam mit inter­na­tio­na­len Part­nern. Die Ana­lyse ergab, dass sich soge­nannte Noro- und Ade­no­vi­ren in ver­schie­de­nen Ent­wick­lungs­sta­dien der Amö­ben „ver­ste­cken“ kön­nen – und danach auch wei­ter­hin infek­tiös bleiben. 

Gesund­heit­li­che Belas­tun­gen durch Krank­heits­er­re­ger in Was­ser und Lebensmitteln

Diese Resul­tate legen nahe, dass frei­le­bende Amö­ben als eine Art ver­steck­ter Tro­ja­ner bis­her unter­schätzte Reser­voirs und Trans­port­ve­hi­kel für Magen-Darm-Viren sein kön­nen. Das könnte erklä­ren, warum bestimmte Viren in man­chen Was­ser­sys­te­men län­ger nach­weis­bar sind als erwar­tet. Und das könnte vor allem eine ver­fei­nerte Risi­ko­be­wer­tun­gen und Ablei­tung von Manage­ment­maß­nah­men bei der Nut­zung von Was­ser­res­sour­cen recht­fer­ti­gen, appel­lie­ren die For­scher der KL Krems.

Krank­heits­er­re­ger in ver­un­rei­nig­tem Was­ser und in Lebens­mit­teln ver­ur­sa­chen glo­bal nach wie vor erheb­li­che gesund­heit­li­che Belas­tun­gen, obwohl Trink­was­ser­auf­be­rei­tung und Abwas­ser­be­hand­lung deut­lich ver­bes­sert wur­den. Das Humane Noro­vi­rus etwa ist die häu­figste Ursa­che aku­ter vira­ler Gas­troen­teri­tis, wobei bereits wenige Virus­par­ti­kel aus­rei­chen, um Infek­tio­nen aus­zu­lö­sen. Humane Ade­no­vi­ren wer­den eben­falls regel­mä­ßig in Abwäs­sern und in abwas­ser­be­las­te­ten Flüs­sen und Seen nachgewiesen. 

Ein Ver­steck im Einzeller

Klas­si­sche Kon­zepte der Was­ser­si­cher­heit betrach­ten Viren vor allem als frei im Was­ser schwe­bende oder an Par­ti­kel gebun­dene Ein­hei­ten. Tat­säch­lich konnte aber kürz­lich gezeigt wer­den, dass auch frei­le­bende Amö­ben (Anm. Ein­zeller in Was­ser­sys­te­men, die bis­her nur als Reser­voir für Bak­te­rien und andere Mikro­or­ga­nis­men bekannt waren) patho­gene Viren beher­ber­gen können. 

Vor die­sem Hin­ter­grund unter­suchte das Team des Fach­be­reichs Was­ser­qua­li­tät und Gesund­heit der KL Krems gemein­sam mit Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus Kanada, Asien und Aus­tra­lien, wie eben diese Noro- und Ade­no­vi­ren in ver­schie­de­nen Amö­ben­ar­ten über­dau­ern und wel­chen Ein­fluss das auf das Infek­ti­ons­ri­siko durch Was­ser haben könnte. “In der Was­ser-Mikro­bio­lo­gie ken­nen wir Amö­ben seit Lan­gem als Wirte für Bak­te­rien wie Legio­nel­len. Doch ihre Rolle für mensch­li­che Magen-Darm-Viren ist bis­her erstaun­lich wenig beach­tet wor­den“, erläu­tert Mats Lei­fels, Wis­sen­schaft­ler am Fach­be­reich Was­ser­qua­li­tät und Gesund­heit der KL Krems und Erst­au­tor der Studie. 

Die Frage der Sicher­heit von eta­blier­ten Aufbereitungsverfahren

„Unsere Expe­ri­mente zei­gen, dass häu­fig vor­kom­mende Amö­ben diese Viren nicht ein­fach ver­dauen und somit inak­ti­vie­ren, son­dern sie schüt­zen, trans­por­tie­ren und im Fall des Ade­no­vi­rus unter­stüt­zen sie mög­li­cher­weise sogar frühe Schritte vira­ler Repro­duk­tion“, betont Lei­fels. Die­ses Zusam­men­wir­ken von Ein­zellern wie Amö­ben und Magen-Darm-Viren ver­än­dere den Blick dar­auf, wie Was­ser als Über­tra­gungs­weg funk­tio­niert und wie sicher eta­blierte Auf­be­rei­tungs­ver­fah­ren Viren tat­säch­lich inak­ti­vie­ren kön­nen.

Um diese Fra­gen zu unter­su­chen, kul­ti­vierte das Team die huma­nen Noro- und Ade­no­vi­ren gemein­sam mit drei frei­le­ben­den Amö­ben­ar­ten (Anm. Verm­amoeba ver­mi­for­mis, Acant­ha­moeba poly­phaga, Wil­laer­tia magna). Alle drei Arten kom­men in rea­len Was­ser­sys­te­men häu­fig vor. Bei den Ver­su­chen zeigte sich, dass nach der Über­tra­gung von Ade­no­vi­rus-hal­ti­gen Amö­ben auf Zell­kul­tu­ren infek­tiöse Viren nach­zu­wei­sen sind. Die “Pas­sage” über die Amö­ben machte die Viren also nicht unschäd­lich. Zusätz­lich wies das Team Ade­no­vi­rus-mRNA (Anm. kurz­le­bi­ger gene­ti­scher Boten­stoff) für die Bil­dung vira­ler Faser­pro­te­inen nach und auch das ist ein Hin­weis auf eine mög­li­che Virus­ver­meh­rung im Amö­ben­wirt.

Mög­li­che Fol­gen für den Schutz von Wasser

Grund­sätz­lich sind frei­le­bende Amö­ben aus­ge­spro­chen wider­stands­fä­hig. In ihrer Ruhe­form, der Zyste, über­ste­hen sie hohe Dosen gän­gi­ger che­mi­scher Des­in­fek­ti­ons­mit­tel wie etwa Chlor. Unter sol­chen Bedin­gun­gen wer­den viele andere Mikro­or­ga­nis­men hin­ge­gen inak­ti­viert. Wenn patho­gene Viren von Amö­ben auf­ge­nom­men und mit­trans­por­tiert wer­den, kön­nen sie daher mög­li­cher­weise ein­zel­nen Bar­rie­ren in Auf­be­rei­tungs- und Sani­tär­sys­te­men entgehen. 

Die neue Stu­die legt nun nahe, dass sol­che Amö­ben-asso­zi­ier­ten Viren nicht nur für die Trink­was­ser­ge­win­nung rele­vant sind, son­dern auch für abwas­ser­be­las­tete Bade­ge­wäs­ser und für Sys­teme der Was­ser­wie­der­ver­wen­dung. „Aus Sicht der mikro­bio­lo­gi­schen Risi­ko­be­wer­tung müs­sen wir frei­le­bende Amö­ben als mög­li­che Reser­voirs und Trans­port­ve­hi­kel, also quasi „virale Tro­ja­ner“, zukünf­tig mit­be­den­ken, wenn wir Aus­sa­gen über die Per­sis­tenz und ihre Effi­zi­enz der Ent­fer­nung von Was­ser-über­trag­ba­ren, fäkal­bür­ti­gen Viren täti­gen“, erklärt Andreas Farn­leit­ner, Lei­ter des Fach­be­reich Was­ser­qua­li­tät und Gesund­heit an der KL Krems. „Nur dann bil­den unsere Kon­zepte zur Was­ser­si­cher­heit die tat­säch­li­che Kom­ple­xi­tät rea­ler Was­ser­sys­teme ab“, unter­streicht Farnleitner.

Kon­zen­tra­tion auf inter­dis­zi­pli­näre The­men­fel­der mit hoher gesund­heits­po­li­ti­scher Rele­vanz

Mit Kli­ma­wan­del, Urba­ni­sie­rung und zuneh­men­der Was­ser­knapp­heit wächst der Druck auf Ober­flä­chen- und Grund­was­ser­res­sour­cen. Damit steigt auch der Bedarf, ver­bor­gene mikro­bielle Wech­sel­wir­kun­gen bes­ser zu ver­ste­hen. Die Stu­dien-Autoren beto­nen, dass die vor­lie­gen­den Ergeb­nisse auf Labor­mo­del­len beru­hen. Wei­tere Stu­dien sol­len nun etwa klä­ren, wel­che Virus­men­gen in Amö­ben in rea­len Gewäs­sern tat­säch­lich vor­kom­men. Die For­scher sehen jetzt gute Gründe, frei­le­bende Amö­ben in zukünf­ti­gen Stu­dien zur Was­ser­si­cher­heit und Was­ser­wie­der­ver­wen­dung zu berück­sich­ti­gen. Außer­dem brau­che es Moni­to­ring Ansätze, die zwi­schen wirk­lich inak­ti­vier­ten und infek­tiö­sen Viren unter­schei­den, die im Inne­ren von Pro­to­zoen vorkommen. 

Die aktu­elle Stu­die fügt sich naht­los in den stra­te­gi­schen Fokus der KL Krems ein : In ihrer For­schung kon­zen­triert sich die Uni­ver­si­tät auf inter­dis­zi­pli­näre The­men­fel­der mit hoher gesund­heits­po­li­ti­scher Rele­vanz – dar­un­ter der For­schungs­schwer­punkt Expo­som & Umwelt­ge­sund­heit mit den The­men Ernäh­rungs­wis­sen­schaf­ten, All­er­go­lo­gie sowie Was­ser­qua­li­tät und Gesund­heit. Mit den neuen Daten zur „Viren – Amö­ben-Inter­ak­tion“ wol­len KL Krems und ihre Part­ner­insti­tu­tio­nen Regu­lie­rungs­be­hör­den dabei unter­stüt­zen, nach­hal­tige und wis­sen­schaft­lich fun­dierte („glo­bal-change-resis­tente“) Maß­nah­men zum Schutz der öffent­li­chen Gesund­heit wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. (red/​rucz, red/​czaak)

Autor: red/rucz, red/czaak
13.01.2026

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