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Viel pro­bie­ren, wenig professionalisieren

Öster­reichs Unter­neh­men tun sich mit KI immer noch schwer. Rund 70 Pro­zent set­zen auf neue Tech­no­lo­gie. Viele tes­ten, wenige kön­nen wirt­schaft­li­che Bewer­tung vor­neh­men. Beim Ein­satz Fokus auf Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung und Kos­ten­sen­kung. Mehr­heit­lich noch keine Maß­nah­men bei EU AI Act.

Künst­li­che Intel­li­genz ist in Öster­reichs grö­ße­ren und mitt­le­ren Unter­neh­men ange­kom­men, aller­dings mehr­heit­lich noch nicht im ope­ra­ti­ven Kern. In einer Ana­lyse von EY mit 100 Mana­gern von mit­tel­stän­di­schen Betrie­ben und Indus­trie­un­ter­neh­men set­zen zwei Drit­tel der befrag­ten Unter­neh­men KI zumin­dest in Form von Pilot­pro­jek­ten ein. Nur acht Pro­zent davon haben KI bereits unter­neh­mens­weit ska­liert und erzie­len mess­bare Effi­zi­enz­stei­ge­run­gen. 21 Pro­zent nut­zen KI pro­duk­tiv in meh­re­ren Bereichen. 

IT und Ver­trieb sind die wich­tigs­ten Einsatzfelder

Umge­kehrt nutzt rund ein Drit­tel der Unter­neh­men KI der­zeit in kei­nem ein­zi­gen Unter­neh­mens­be­reich und plant dies auch nicht in naher Zukunft. „KI ist in vie­len Unter­neh­men Teil des ope­ra­ti­ven All­tags. Zwi­schen ers­ten Anwen­dun­gen und einer wirk­lich wirk­sa­men, stra­te­gisch ver­an­ker­ten Nut­zung liegt aber noch ein gro­ßes Stück Weg“, sagt Patrick Rat­hei­ser, Head of AI bei EY Öster­reich. „Genau dort ent­schei­det sich, wel­che Unter­neh­men Effi­zi­enz­ge­winne rea­li­sie­ren, neue Geschäfts­mo­delle erschlie­ßen und ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit nach­hal­tig stär­ken kön­nen“, betont Ratheiser.

Bei den Ein­satz­be­rei­chen wird KI am häu­figs­ten in den Berei­chen IT, Sicher­heit und Betrieb (Anm. Pro­zess­op­ti­mie­rung) ein­ge­setzt. Finanz- und Steue­rungs­pro­zesse, Human Resour­ces sowie Logis­tik bzw. Sup­ply Chain spie­len bis­her noch eine deut­lich gerin­gere Rolle. Auf­fäl­lig ist zudem, dass KI in vie­len Unter­neh­men noch punk­tu­ell ein­ge­setzt wird. Unter jenen Unter­neh­men, die KI bereits nut­zen oder kon­kret pla­nen, kommt KI bei 43 Pro­zent in zwei bis drei Berei­chen zum Ein­satz. Elf Pro­zent set­zen KI nur in einem Bereich ein, 27 Pro­zent bereits in vier oder mehr Bereichen.

Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung und Kos­ten­sen­kung und Qualitätsverbesserung

Bei der Erwar­tungs­hal­tung liegt der Fokus klar auf dem Thema Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­rung. 41 Pro­zent nen­nen diese als höchste Prio­ri­tät. Dahin­ter fol­gen Kos­ten­sen­kung sowie Qua­li­täts­ver­bes­se­rung von Ent­schei­dun­gen. Umsatz- und Wachs­tums­po­ten­ziale ran­gie­ren dage­gen mit drei Pro­zent der­zeit nur am Ende der Prio­ri­tä­ten­liste. 17 Pro­zent geben an, der­zeit noch keine klar prio­ri­sier­ten Ziele für den KI-Ein­satz zu haben.

„Viele Unter­neh­men betrach­ten KI der­zeit noch in ers­ter Linie als Hebel für mehr Effi­zi­enz. Das ist nach­voll­zieh­bar, greift aber zu kurz. Wer KI nur als Spar­pro­gramm ver­steht, wird einen gro­ßen Teil ihres Poten­zi­als unge­nutzt las­sen. Gerade in der Ver­bin­dung aus Auto­ma­ti­sie­rung, bes­se­rer Ent­schei­dungs­qua­li­tät und Inno­va­tion steckt der eigent­li­che stra­te­gi­sche Hebel“, ergänzt Susanne Zach, Part­ne­rin und AI & Data Lead bei EY Österreich.

Stra­te­gie, Know-how und Gover­nance blei­ben die Engpässe

Ein Pro­blem ist, dass vie­len Unter­neh­men noch die orga­ni­sa­to­ri­sche Ver­an­ke­rung fehlt. Nur ein Drit­tel der Unter­neh­men mit KI im Ein­satz oder in Pla­nung gibt an, dass die Füh­rungs­ebene eine klare KI-Stra­te­gie defi­niert hat, den Ein­satz aktiv unter­stützt und dafür Bud­get sowie Res­sour­cen bereit­stellt. Zwar sehen 41 Pro­zent in gene­ra­ti­ver oder agen­ti­scher KI einen kla­ren Mehr­wert für Pro­zess­op­ti­mie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung, doch nur 35 Pro­zent haben Rol­len und Ver­ant­wort­lich­kei­ten für Gover­nance, Betrieb und Risiko klar definiert.

Noch deut­li­cher wird der Nach­hol­be­darf beim Know-how : Nur 22 Pro­zent der Unter­neh­men sehen bei sich hohes inter­nes KI-Know-how oder beschäf­ti­gen KI-Spe­zia­lis­ten. Ledig­lich 27 Pro­zent ver­fü­gen über gezielte Schu­lun­gen oder struk­tu­rierte Pro­gramme, um Mit­ar­bei­tende für den sinn­vol­len Ein­satz von KI zu befä­hi­gen. Und nur ein Vier­tel traut sei­nen Mit­ar­bei­ten­den zu, KI-Ergeb­nisse kor­rekt zu inter­pre­tie­ren und bei Bedarf kri­tisch zu hinterfragen.

Der wirt­schaft­li­che Nut­zen wird oder kann nicht gemes­sen werden

Ein wei­te­res Defi­zit zeigt sich auch bei der wirt­schaft­li­chen Bewer­tung : Nur in 26 Pro­zent der Unter­neh­men ist der ROI (Return of Invest­ment) von KI-Anwen­dun­gen klar defi­niert. In fast jedem zwei­ten Unter­neh­men mit KI-Ein­satz ist noch keine wirt­schaft­li­che Bewer­tung mög­lich. Ledig­lich 20 Pro­zent neh­men einen nach­weis­ba­ren Bei­trag von KI zum Geschäfts­er­folg wahr. „Ohne klare Ziel­de­fi­ni­tion und kon­se­quen­tes Mes­sen ist KI ein teu­res Expe­ri­ment”, so Ratheiser.

Ambi­va­lenz zeigt sich auch beim Thema Geld bzw. Inves­ti­tio­nen in KI. Trotz der weit ver­brei­te­ten Ein­satz­pläne sind diese viel­fach noch gering. 23 Pro­zent der Unter­neh­men haben bis­lang noch keine Mit­tel inves­tiert. Wei­tere 32 Pro­zent bewe­gen sich unter der Schwelle von 50.000 Euro. Inves­ti­tio­nen über 500.000 Euro sind mit zwei Pro­zent die Aus­nahme. Han­dels­un­ter­neh­men haben zwar am häu­figs­ten in KI inves­tiert, beson­ders hohe Ein­zel­in­ves­ti­tio­nen fin­den sich pri­mär in der Indus­trie. Die häu­figs­ten Kos­ten­po­si­tio­nen sind Soft­ware­li­zen­zen und Cloud-Ser­vices, Schu­lun­gen und System-Integration.

Daten­qua­li­tät und Infra­struk­tur als Problemfelder

Ein Hemm­nis für den wir­kungs­vol­len KI-Ein­satz liegt in der Daten­ba­sis : Nur 26 Pro­zent der Befrag­ten gehen davon aus, dass die ver­füg­ba­ren Unter­neh­mens­da­ten einen effek­ti­ven KI-Ein­satz in zen­tra­len Geschäfts­pro­zes­sen unter­stüt­zen. Eben­falls nur 26 Pro­zent ver­trauen der Daten­ba­sis, auf der KI-Ergeb­nisse beru­hen. Deut­lich posi­ti­ver wird die Daten­qua­li­tät an sich bewer­tet : 48 Pro­zent bestä­ti­gen, dass die für KI genutz­ten Daten nach­voll­zieh­bar, kon­sis­tent und kon­trol­liert sind – ein Wert, der die höchste Zustim­mung in der gesam­ten Ana­lyse erzielt.

Eine Her­aus­for­de­rung bleibt die bereichs­über­grei­fende Daten­ver­füg­bar­keit : Nur 22 Pro­zent sehen hier keine grö­ße­ren Hür­den, und ledig­lich 26 Pro­zent glau­ben an eine rei­bungs­lose Inte­gra­tion von KI in bestehende Sys­teme. Das deu­tet dar­auf hin, dass Daten­qua­li­tät allein noch nicht aus­reicht. „Ent­schei­dend ist, ob Daten im Unter­neh­men auch über Bereichs­gren­zen hin­weg ver­füg­bar, anschluss­fä­hig und tech­nisch inte­grier­bar sind“, unter­strei­chen die EY-Experten.

Beim Thema EU AI Act Rele­vanz erkannt, Umset­zung bleibt zurück

Beson­ders auf­fäl­lig ist die geringe Umset­zungs­quote beim EU AI Act : Nur 26 Pro­zent der Unter­neh­men sehen die Ver­ord­nung als rele­vant für ihren KI-Ein­satz an, und ledig­lich 24 Pro­zent haben kon­krete orga­ni­sa­to­ri­sche oder tech­ni­sche Maß­nah­men zur Vor­be­rei­tung ein­ge­lei­tet. Die nied­rigste Zustim­mung mit 19 Pro­zent ver­zeich­net die Frage, ob stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen bereits daten- und KI-gestützt getrof­fen werden.

„Wer den EU AI Act noch nicht auf der Agenda hat, ris­kiert nicht nur regu­la­to­ri­sche Pro­bleme, son­dern ver­passt auch die Chance, KI-Gover­nance als Wett­be­werbs­vor­teil zu nut­zen. Ver­trau­ens­wür­dige KI ist kein Büro­kra­tie­thema – sie ist die Grund­lage für nach­hal­ti­gen Ein­satz”, betont Zach. „Öster­reichs Unter­neh­men haben den Ein­stieg in die KI-Nut­zung geschafft, der Sprung zur struk­tu­rier­ten und mess­bar erfolg­rei­chen Umset­zung steht aber vie­ler­orts noch aus“, ergänzt Patrick Rat­hei­ser, Head of AI bei EY Öster­reich. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
09.05.2026

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