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Donnerstag, 11.12.2025 | 16:14

Von Kom­po­nist bis Filmemacher

Die größte Musik- und Kunst-Uni der Welt (MDW) steht in Wien. Heute kämpft sie um ihre Viel­falt, für Inno­va­tio­nen und ein moder­ne­res Image sowie für mehr Forschung(sgelder). Neue Stu­di­en­an­ge­bote wie Digi­tal Art Com­po­si­ting schaf­fen auch intern neue For­men der Zusammenarbeit.

„Inno­va­tion aus Tra­di­tion“ – mit die­sem Leit­bild, das auch gleich Ein­blick in ein Span­nungs­feld gewährt, strebt die Wie­ner Uni­ver­si­tät für Musik und dar­stel­lende Kunst (MDW) nach Viel­falt in Kunst, aber auch Wissenschaft.
„Wir haben 24 Insti­tute im Haus, unser Ange­bot ist sehr breit, es reicht von Musik­aus­bil­dung im Instru­men­tal­stu­dium und Gesangs­aus­bil­dung über Schau­spiel im Max-Rein­hardt-Semi­nar und Film­aka­de­mie bis hin zu päd­ago­gi­schen Stu­di­en­rich­tun­gen und For­schungs­in­sti­tu­ten. Zudem haben wir über 1000 Ver­an­stal­tun­gen im Jahr“, erklärt Clau­dia Wal­ken­stei­ner-Praschl, Vize­rek­to­rin für Lehre und Frau­en­för­de­rung an der MDW.

Cam­pus als Weg in die Zukunft
Erst 2004 wurde die als eli­tär-kon­ser­va­tiv gel­tende Kunst- und Musik­hoch­schule mit dem Uni­ver­si­täts­sta­tus prak­tisch eine Etage höher beför­dert, auch ört­lich gab es eine Ver­än­de­rung : Zen­tra­ler Sitz der MDW ist heute die reno­vierte ehe­ma­lige Vete­ri­när­me­di­zi­ni­sche Uni in Wien-Land­straße. Die Adresse passt per­fekt : Anton-von-Webern-Platz, benannt nach dem öster­rei­chi­schen Kom­po­nis­ten und Kappellmeister.
Von den rund 3000 Stu­den­ten sind knapp zwei Drit­tel Frauen, zudem ist die Wie­ner Musik- und Kunst-Uni vor allem inter­na­tio­nal begehrt : Fast die Hälfte der Stu­den­ten kommt aus dem Aus­land. Eine Auf­nah­me­prü­fung – an ande­ren hei­mi­schen Unis ein „hei­ßes Eisen“ – ist hier obli­gat und all­seits akzep­tiert. Wer diese Hürde geschafft hat, darf sich über harte, aber gute Stu­di­en­be­din­gun­gen freuen. Total über­füllte Hör­säle gibt es ein­fach nicht. Dafür eine Viel­zahl von Stand­or­ten, über ganz Wien ver­teilt, die aber in den nächs­ten Jah­ren suk­zes­sive abge­baut wer­den sol­len. Der Cam­pus im drit­ten Bezirk wird noch wei­ter aus­ge­baut. Die Bolo­gna-Struk­tur mit der Drei­tei­lung des Stu­di­ums in Bakk, Mas­ter und PhD wurde zwar ein­ge­führt, „gilt aber in eini­gen Berei­chen wie etwa im Instru­men­tal­be­reich oder im Rein­hardt-Semi­nar nicht“, ver­weist Wal­ken­stei­ner-Praschl auf das Mit­be­stim­mungs­recht der Institute.
Neben der Lehre wird ver­sucht, ver­mehrt die For­schung zu for­cie­ren. Beim neuen För­der­pro­gramm zur Ent­wick­lung und Erschlie­ßung der Künste (PEEK), das vom For­schungs­för­de­rungs­fonds (FWF) abge­wi­ckelt wird, hat die MDW für eines der ers­ten sie­ben bewil­lig­ten Pro­jekte den Zuschlag erhal­ten. „Quo vadis, Teu­fels­gei­ger?“ ist ein Pro­jekt zur Kar­rie­re­för­de­rung von Musi­kern. Dabei wird künst­le­ri­sche Pra­xis (im Kom­pe­tenz­la­bor) mit refle­xi­ver Aus­ein­an­der­set­zung (Kar­rie­re­coa­ching) ver­bun­den. „Wir haben zudem eine eigene For­schungs­för­de­rungs­in­itia­tive gestar­tet und 1,5 Mil­lio­nen Euro ver­ge­ben“, berich­tet Walkensteiner-Praschl.
Bei­spiel­haft für den Inno­va­ti­ons­wil­len ist das Pro­jekt „NeW_​AiR“ (New expe­ri­men­tal Ways_​Artists in Resi­dence) des Insti­tuts für Kom­po­si­tion und Elektro­akustik. Ziel ist es, den Stu­die­ren­den eine tief grei­fende prak­ti­sche und theo­re­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit den füh­ren­den Bewe­gun­gen der Kunst­mu­sik des 21. Jahr­hun­derts zu ermög­li­chen (Live-Video, Noise Music, Turn­ta­b­lism, Numu­sic, Sam­pling Art, Open­space Music). Wich­tig dabei ist eine ver­netzte, insti­tuts­über­grei­fende Zusammenarbeit.
Über­grei­fend sind auch einige neue Ange­bote, etwa die Reihe Musik­wirt­schafts­dia­loge der MDW in Koope­ra­tion mit Ö1 (nächs­ter Ter­min : 9. Juni, MDW), ein neuer Lehr­gang für Kul­tur­ma­nage­ment oder das im Herbst an der Film­aka­de­mie ein­ge­führte Stu­dium „Digi­tal Art Com­po­si­ting“. Neben der Film­aka­de­mie Baden-Würt­tem­berg ist die Wie­ner Film­aka­de­mie damit euro­pa­weit die ein­zige uni­ver­si­täre Aus­bil­dungs­stätte. Ziel ist es, das gesamte Poten­zial von „Com­po­si­ting“ zu erfor­schen und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Alle fil­mi­schen Fach­be­rei­che wie Buch, Regie, Kamera, Schnitt und Pro­duk­tion spie­len dabei eine wich­tige Rolle. „Wir wol­len bis 2014 ins­ge­samt noch an Repu­ta­tion und Stand­fes­tig­keit gewin­nen“, hat sich die Vize­rek­to­rin hohe Ziele gesteckt.

Autor:
28.05.2010

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