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© CANCOM_Jakob Scherer

Wann KI wirk­lich wirkt

Viele Unter­neh­men ver­wen­den Künst­li­che Intel­li­genz, doch der Pro­duk­ti­vi­täts­schub bleibt aus. Ent­schei­dend ist nicht das Tool, son­dern die Orchestra­tion. Ein Exper­ten­kom­men­tar von Jakob Sche­rer, Exe­cu­tive Assistant Stra­tegy & Inno­va­tion CAN­COM Austria.

Künst­li­che Intel­li­genz ist längst im Arbeits­all­tag ange­kom­men, zumin­dest theo­re­tisch. Prak­tisch jedoch bleibt der erhoffte Pro­duk­ti­vi­täts­schub in vie­len Unter­neh­men aus. Das liegt nicht an feh­len­den Tools, son­dern an der Art, wie sie ein­ge­setzt wer­den. KI wirkt dort, wo sie sinn­voll ver­netzt ist. Und sie ver­pufft dort, wo sie iso­liert bleibt.

Über­gang von Spie­le­rei zu neuer betrieb­li­cher Wertschöpfung

Das heute ver­brei­tete Setup folgt meist einem Drei­klang. Auf der einen Seite ste­hen tief inte­grierte Assis­ten­ten, zumeist im Office-Umfeld. Sie ken­nen E‑Mails, Ter­mine, Noti­zen, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mus­ter. Sie sind damit ein digi­ta­ler Beglei­ter, der indi­vi­du­ell unter­stützt und im All­tag durch­aus ent­las­tet. Auf der ande­ren Seite fin­den sich hoch­spe­zia­li­sierte Anwen­dun­gen : Copi­lo­ten für Soft­ware­ent­wick­lung, Bild­ge­ne­ra­to­ren für Mar­ke­ting, Werk­zeuge, die ein­zelne Tätig­kei­ten grund­le­gend ver­än­dern. Dazwi­schen liegt als ent­schei­den­der Bereich der Unternehmenskern.

Erst dort, wo KI nicht nur indi­vi­du­ell oder punk­tu­ell wirkt, son­dern für alle zugäng­lich ist und mit inter­nen Infor­ma­tio­nen arbei­ten darf, ent­steht ech­ter Hebel. Ein zen­tra­les KI-Tool, das unter­neh­mens­weit ver­füg­bar ist, interne Daten nutzt und zugleich Daten­sou­ve­rä­ni­tät wahrt, mar­kiert den Über­gang von einer Spie­le­rei zu neuer betrieb­li­cher Wert­schöp­fung. Genau an die­sem Punkt ent­schei­det sich, ob KI zur Pro­duk­ti­vi­täts­ma­schine wird – oder zum net­ten Zusatz.

Werk­zeuge von heute for­men die Arbeit von morgen

Tech­no­lo­gie allein reicht aller­dings nicht aus. Der Eng­pass liegt erfah­rungs­ge­mäß beim Men­schen. Feh­lende Schu­lung, Unsi­cher­heit im Umgang und Wider­stand gegen Ver­än­de­rung brem­sen den Ein­satz. Neue Werk­zeuge füh­len sich fremd an, ver­än­dern Rou­ti­nen, stel­len Selbst­ver­ständ­nisse infrage. Wer glaubt, Pro­duk­ti­vi­tät ent­stehe auto­ma­tisch durch Bereit­stel­lung von Tools, unter­schätzt die Dimen­sion des Wandels.

Dabei geht es nicht darum, sofort per­fekt zu sein. Das Ziel ist ein­mal ins Lau­fen zu kom­men, Erfah­run­gen sam­meln, Vor­teile erken­nen, Gren­zen ver­ste­hen. Denn klar ist auch : Die Werk­zeuge von heute for­men die Arbeit von mor­gen. Beson­ders in der Soft­ware­ent­wick­lung ist die­ser Wan­del bereits sicht­bar. Rol­len ver­än­dern sich, Anfor­de­run­gen ver­schie­ben sich, Arbeits­wei­sen wer­den neu defi­niert. Wer heute gestal­tet, legt fest, wie dann mor­gen gear­bei­tet wird.

Daten ent­schei­den über Erfolg oder Misserfolg

Gleich­zei­tig wächst der Auf­wand bei der nöti­gen Infra­struk­tur. KI braucht Betrieb, Rechen­leis­tung, Ener­gie. Modelle lau­fen in Rechen­zen­tren, ver­brau­chen Res­sour­cen, ska­lie­ren nur mit erheb­li­chem Ein­satz. Noch ent­schei­den­der aber ist der Roh­stoff, den KI wirk­lich antreibt : Daten. Öffent­li­che Modelle leben von rie­si­gen, frei ver­füg­ba­ren Daten­men­gen. Unter­neh­men hin­ge­gen ver­fü­gen über Pro­zess­wis­sen, Maschi­nen­da­ten, tech­ni­sches Wis­sen, gesam­melte Erfah­rungs­werte und indi­vi­du­el­les Know-how der Mit­ar­bei­ten­den. Über Daten, die in Summe genom­men beschrei­ben, wie die Arbeit, die Pro­duk­ti­vi­tät und final die betrieb­li­che Wert­schöp­fung tat­säch­lich funktioniert.

Hier liegt der eigent­li­che Schatz. Die Frage, die sich jedes Unter­neh­men stel­len muss, lau­tet daher : Was macht uns aus ? Wel­che Daten sind ein­zig­ar­tig ? Wo steckt das Wis­sen, das nicht kopier­bar ist ? Genau diese Daten ent­schei­den dar­über, ob dann auch KI einen Wett­be­werbs­vor­teil erzeugt oder aus­tausch­bar bleibt. Doch die­ser Schatz liegt sel­ten sau­ber auf­be­rei­tet bereit. Er ist oft in Legacy-Sys­te­men ver­gra­ben, frag­men­tiert, schwer zugäng­lich. Ihn nutz­bar zu machen ist anspruchs­voll – tech­nisch, orga­ni­sa­to­risch und kulturell.

KI als Brü­cke zwi­schen Daten und Pro­zes­sen und Menschen 

Gelingt die­ser Schritt, eröff­nen sich enorme Chan­cen. Beson­ders sicht­bar wird das bei den soge­nann­ten Hid­den Cham­pi­ons : hoch­spe­zia­li­sier­ten Unter­neh­men mit außer­ge­wöhn­li­cher Qua­li­tät und tie­fem indi­vi­du­el­lem Wis­sen. Mehr als die Hälfte die­ser welt­weit füh­ren­den Nischen­an­bie­ter sitzt im DACH-Raum. Ihr Wett­be­werbs­vor­teil liegt nicht in Größe, son­dern in Spe­zia­li­sie­rung – und genau hier kann KI ver­stär­ken statt verdrängen.

KI ist kein fer­ner Zukunfts­ver­such mehr, son­dern ein Werk­zeug, das neue Wert­schöp­fung schaf­fen kann – wenn es rich­tig ver­an­kert wird. Nicht als Selbst­zweck, nicht als iso­lierte Anwen­dung, son­dern als Brü­cke zwi­schen Daten, Pro­zes­sen und Men­schen. Wer diese Brü­cke baut, ver­wan­delt Tech­no­lo­gie in unter­neh­me­ri­schen Mehr­wert. Wer es nicht tut, wird zuschauen, wie andere aus den­sel­ben Mög­lich­kei­ten mehr machen.

Autor: Jakob Scherer (red/cc)
11.03.2026

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