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Weib­li­che Wissenschaft

Sti­pen­dien sol­len die Kar­rie­ren von For­sche­rin­nen för­dern, damit es künf­tig mehr Frauen in der Wis­sen­schaft gibt.

Selt­sam genug: Obwohl mehr Frauen als Män­ner natur­wis­sen­schaft­li­che oder medi­zi­ni­sche Stu­dien absol­vie­ren, errei­chen sie viel sel­te­ner Spit­zen­po­si­tio­nen in der For­schung. Dem­nach liegt der Anteil der Frauen an den Stu­die­ren­den aller for­mal- und natur­wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en­rich­tun­gen der Uni­ver­si­tät Wien bei rund 54 Pro­zent. Betrach­tet man die Stu­di­en­ab­schlüsse, so beträgt der Frau­en­an­teil dort sogar beacht­li­che 59 Prozent.
Im Unter­schied dazu weist die Sta­tis­tik der Uni Wien bei den wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­tern jedoch fol­gende Frau­en­an­teile an allen for­mal- und natur­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tä­ten aus: 30 Pro­zent Assis­ten­tin­nen, 14 Pro­zent Dozen­tin­nen, 5,5 Pro­zent Pro­fes­so­rin­nen. Öster­reich­weit betrug der Anteil der Frauen Ende 2007 an den Assis­ten­ten 32 Pro­zent, an den Dozen­ten 18 Pro­zent und an den Pro­fes­so­ren zwölf Pro­zent. (Die-se Zah­len betref­fen alle Fakul­tä­ten aller Uni­ver­si­tä­ten inklu­sive Geis­tes- und Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, aus­ge­nom­men Musik- und Kunst­uni­ver­si­tä­ten, Anm.) Sei­tens des Bun­desmi-nis­te­ri­ums für Wis­sen­schaft und For­schung (BMWF) wer­den daher bereits seit gerau­mer Zeit zahl­rei­che Anstren­gun­gen unter­nom­men, um die­ses Ungleich­ge­wicht zu beheben.
Eine die­ser Initia­ti­ven betrifft das all­jähr­lich vom inter­na­tio­na­len Kos­me­tik­kon­zern L´Oréal in Koope­ra­tion mit der Öster­rei­chi­schen Unesco-Kom­mis­sion und der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (ÖAW) ver­ge­bene Öster­reich-Sti­pen­dium „For Women in Science“.

Sti­pen­dien verdoppelt
Ursprüng­lich waren dafür nur zwei Sti­pen­dien pro Jahr vor­ge­se­hen. Das BMWF ver­dop­pelte dar­auf­hin im Vor­jahr kur­zer­hand die För­der­gel­der, wes­halb heuer zum nun­mehr zwei­ten Mal vier exzel­lente junge Wis­sen­schaft­le­rin­nen aus­ge­zeich­net wer­den konn­ten. Diese mit jeweils 15.000 Euro dotier-ten Sti­pen­dien sol­len eine Lücke im bestehen­den För­der­an­ge­bot für Frauen mit – oder auf dem Weg zu – einer Wis­sen­schafts­kar­riere fül­len. Dass wis­sen­schaft­lich ambi­tio­nierte Jung-Aka­de­mi­ke­rin­nen beson­dere Ermu­ti­gung und Unter­stüt­zung am Beginn der Berufs­lauf­bahn brau­chen, hat meh­rere Gründe: den nied­ri­gen Frau­en­an­teil unter den Uni­ver­si­täts­pro­fes­so­ren, das Feh­len weib­li­cher Role-Models und ein Bild der Wis­sen­schaft, das nach wie vor über­wie­gend männ­lich geprägt ist. Die L´Oréal-Österreich-Stipendien sol­len die Chan­cen von Dok­to­ran­din­nen oder Post-Docs unter 40 Jah­ren für eine Uni­ver­si­täts­lauf­bahn ver­bes­sern. Sie die­nen vor allem der finan­zi­el­len Über­brü­ckung von Arbeits­pe­ri­oden zwi­schen zwei Lang­zeit­pro­jek­ten. Die Lauf­zeit der Sti­pen­dien beträgt zwi­schen sechs und zwölf Monaten.
Ende Okto­ber wur­den die dies­jährigen Aus­zeich­nun­gen in Wien ver­ge­ben. Eine sechs­köp­fige Jury unter dem Vor­sitz von ÖAW-Prä­si­dent Peter Schus­ter ent­schied, dass die Astro­phy­si­ke­rin Sig­rid Ber­ke­bile-Stoi­ser, die Zoo­lo­gin Monika Eber­hard, die Phy­si­ke­rin Kers­tin Hum­mer und die Mathe­ma­ti­ke­rin Domi­ni­que Wag­ner die Preis­trä­ge­rin­nen der Öster­reich-Sti­pen­dien von „For Women in Sci­ence“ 2008 sein sollen.
Die Öster­rei­chi­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten setzt mit die­ser Koope­ra­tion ihren erfolg­reich begon­ne­nen Weg in der Frau­en­för­de­rung fort. Schon jetzt ist mehr als die Hälfte der ÖAW-Sti­pen­dia­ten weib­lich. Die öffent­li­che Wür­di­gung der außer­or­dent­li­chen Leis­tun­gen von For­sche­rin­nen ist dabei ein wich­ti­ger Aspekt, da eine Vor­bild­wir­kung erzielt und das Inter­esse an einer Kar­riere in der For­schung geweckt wer­den kann.
www.oeaw.at

Inter­na­tio­nale Auszeichnung
Um den Bei­trag von Frauen für die Wis­sen­schaft noch deut­li­cher auf­zu­zei­gen, hat der inter­na­tio­nale Kos­me­tik­kon­zern L´Oréal in Part­ner­schaft mit der Unesco die welt­weite Initia­tive „For Women in Sci­ence“ ins Leben geru­fen. Im Rah­men die­ses Pro­gramms wer­den seit 1999 Jahr für Jahr in Paris fünf Preise und zehn Sti­pen­dien an For­sche­rin­nen aus allen Erd­tei­len ver­ge­ben. Zusätz­lich wer­den von der Jury jähr­lich zehn For­sche­rin­nen für einen „Spe­cial Honor Award“ emp­foh­len. Unter den Aus­ge­zeich­ne­ten für den Spe­cial Honor Award „For Women in Sci­ence“ fin­den sich mit den Wis­sen­schaft­le­rin­nen Renée Schroe­der (Insti­tut für Mikro­bio­lo­gie und Gene­tik am Wie­ner Bio­cen­ter) und Andrea Barta (Insti­tut für Bio­che­mie der Wie­ner Medi­zi­ni­schen Fakul­tät) auch zwei Öster­rei­che­rin­nen (2001 und 2002). Im Zen­trum von Renée Schroe­ders For­schung steht die Ribo­nu­klein-säure (RNA), im Beson­de­ren ihre Wech­sel­wir­kung mit Anti­bio­tika. Andrea Barta beschäf­tigt sich mit der Frage, wie die für jeden Orga­nis­mus lebens­wich­ti­gen Pro­te­ine in den Zel­len gebil­det wer­den. Dabei ent­deckte sie die für die­sen Pro­zess ent­schei­dende Rolle der Ribo­nu­kle­in­säure (RNA). Die Bio­phy­si­ke­rin Andrea Hickel und die Bio­che­mi­ke­rin Irene Maier erhiel­ten ein inter­na­tio­na­les Sti­pen­dium für For­schung im Aus­land (2002 und 2006).

Autor:
01.12.2008

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