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Wenn im Win­ter die Hei­zung kalt bleibt

Stei­gende Ener­gie­kos­ten tref­fen vor allem arme Men­schen. 214.000 Öster­rei­cher sind in die­ser Situation.

Wenn das Geld fehlt, wird es kalt in der Woh­nung. 214.000 Men­schen in Öster­reich ken­nen laut aktu­el­lem Armuts­be­richt der Sta­tis­tik Aus­tria diese Situa­tion. Sie kön­nen ihre Woh­nung nicht ange­mes­sen warm hal­ten und ihre Ener­gie­kos­ten nicht bezahlen.
Ener­gie- und Wohn­kos­ten sind die Pro­bleme, die in den Bera­tungs­stel­len der Cari­tas, Volks­hilfe und Dia­ko­nie oft the­ma­ti­siert wer­den. Bei­nahe eine Mio. Öster­rei­cher ist akut arm oder armuts­ge­fähr­det. 64 Pro­zent davon müs­sen mehr als ein Vier­tel ihrer Gesamt­kos­ten für Woh­nen und Ener­gie aus­ge­ben. Bei nicht armuts­ge­fähr­de­ten Men­schen macht die­ser Bereich hin­ge­gen nur zwölf Pro­zent aus. „Vor allem im ver­gan­ge­nen Win­ter haben viele mit den stei­gen­den Heiz­kos­ten zu tun gehabt. Die Pro­bleme in die­sem Bereich neh­men defi­ni­tiv zu. Die­je­ni­gen, die gar nicht mehr hei­zen kön­nen, sind die Spitze des Eis­bergs“, sagt Ve­rena Fabris, Armuts­exper­tin der Volks­hilfe Österreich.
Men­schen mit nied­ri­gem Ein­kom­men leben oft in schlecht iso­lier­ten, deso­la­ten Woh­nun­gen. Sie sind auf bil­lige und alte, daher ener­gie­in­ten­sive Geräte ange­wie­sen, so die Cari­tas, die gemein­sam mit dem öster­rei­chi­schen Strom­markt­re­gu­la­tor E‑Control und dem Fach­ver­band der Elek­tro- und Elek­tronik­in­dus­trie (FEEI) in Wien und Nie­der­ös­ter­reich ein Pilot­pro­jekt zur Ener­gie­ar­mut ins Leben geru­fen hat. Inves­ti­tio­nen, die den Ener­gie­ver­brauch sen­ken könn­ten, sind nur schwer möglich.

Ver­al­tete Kühlgeräte
58 betrof­fene Haus­halte wur­den für das Cari­tas-Pro­jekt im Herbst 2008 aus­ge­wählt und in einem ers­ten Schritt von der Arge Ener­gie­be­ra­tung über Ein­spar­mög­lich­kei­ten auf­ge­klärt. Dadurch seien Ein­spa­run­gen von bis zu 25 Pro­zent – pro Bera­tungs­fall rund 150 Euro – mög­lich gewe­sen. Dar­über hin­aus wur­den ver­al­tete Kühl- und Gefrier­ge­räte kos­ten­los durch neue ersetzt, die von Mit­glie­dern des Fach­ver­bands der Elek­tro- und Elektronik­industrie zur Ver­fü­gung gestellt wur­den. Eine Unter­stüt­zung, die sich in die­ser Form wohl viele armuts­ge­fähr­dete Men­schen wün­schen würden.
„Es geht darum, Struk­tu­ren zu ändern, nicht nur das indi­vi­du­elle Ener­gie­ver­hal­ten. Maß­geb­li­che Schritte gegen Ener­gie­ar­mut kön­nen nur gesetzt wer­den, wenn der Staat finan­zi­elle Res­sour­cen zur Ver­fü­gung stellt“, sagt Verena Fabris. Wer von Ener­gie­ar­mut betrof­fen ist, dem würde es wenig nüt­zen zu wis­sen, dass ein neuer Kühl­schrank ener­gie­ef­fi­zi­en­ter sei.

Zusätz­li­che Kosten
Auch die Volks­hilfe beschäf­tigt sich mit der The­ma­tik Ener­gie und Armut und hat bereits Pro­jekte in die­sem Bereich durch­ge­führt. Zwar gebe es in den ein­zel­nen Bun­des­län­dern Unter­stüt­zung durch Heiz­kos­ten­zu­schüsse, diese seien aber zu wenig. „Auch das ist eine Hürde. Bedürf­tige müs­sen Ansu­chen stel­len, sie müs­sen Behör­den­wege über­win­den. Für viele ist das stig­ma­ti­sie­rend“, sagt Fabris. Auch die Neben­ge­büh­ren wie Mah­nun­gen, Erlag­schein­zah­lun­gen oder Ab- und Anschalt­ge­büh­ren bei Zah­lungs­ver­zug wür­den von Armut betrof­fene Men­schen zusätz­lich belas­ten, so eines der Ergeb­nisse des Cari­tas-Pro­jekts. „Man­che zah­len bis zu 40 Pro­zent mehr pro Kilo­watt­stunde als ein wohl­ha­ben­der Haus­halt, der ten­den­zi­ell nie abge­schal­tet wird“, sagt Wal­ter Boltz, Geschäfts­füh­rer des Pro­jekt­part­ners E‑Control.

Autor:
26.06.2009

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