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Wenn Papa­geien sprechen

For­scher der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten unter­su­chen kogni­tive und soziale Fähig­kei­ten von Papa­geien. In der Obhut von Men­schen könn­ten sie nicht nur Wör­ter ler­nen, son­dern auch Eigen­na­men ver­ste­hen und gezielt verwenden. 

Ob Tiere ein­an­der „beim Namen nen­nen“, beschäf­tigt die For­schung seit Jahr­zehn­ten. Es gibt etwa Hin­weise auf namens­ähn­li­che Rufe bei Ele­fan­ten oder der Affen­art der Mar­mo­set­ten. Ob diese tat­säch­lich mit dem mensch­li­chen Kon­zept eines Namens ver­gleich­bar sind, bleibt aber unklar. Ein Grund dafür ist, dass tie­ri­sche Laut­sys­teme bis­lang nur begrenzt ent­schlüs­selt wer­den konn­ten.
 

Aktu­ell hat nun ein For­schungs­team rund um die Ver­hal­tens­bio­lo­gin Marisa Hoeschele vom Insti­tut für Schall­for­schung der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (ÖAW) einen neuen For­schungs­an­satz gewählt: Statt Wild­tiere zu beob­ach­ten, ana­ly­sier­ten sie Papa­geien, die eng mit Men­schen leben und mensch­li­che Spra­che nach­ah­men kön­nen. Die Grund­lage der Stu­die bil­de­ten Daten zu 884 Papa­geien aus unter­schied­li­chen Haushalten.

Die Infor­ma­tio­nen stam­men von den Halter:innen. „Diese haben einen Fra­ge­bo­gen aus­ge­füllt und dabei erklärt, was ihre Papa­geien kön­nen“, sagt Marisa Hoeschele. Auch wenn sol­che Anga­ben nicht in jedem Detail über­prüf­bar seien, ermög­li­che die große Daten­menge aus ÖAW-Sicht ver­läss­li­che Aus­sa­gen: „Weil wir so viele Daten haben, kön­nen wir sagen, dass zumin­dest man­che Papa­geien Namen wahr­schein­lich rich­tig benut­zen“, so Hoeschele.

Ins­ge­samt über 800 Äuße­run­gen doku­men­tiert
 
Im Ergeb­nis erklär­ten die Halter:innen in 47 Pro­zent der Fälle, dass ihre Tiere Namen ver­wen­de­ten. Ins­ge­samt wur­den über 800 Äuße­run­gen doku­men­tiert, die Eigen­na­men ent­hiel­ten. Beson­ders auf­schluss­reich sind jene Fälle, in denen der Kon­text bekannt ist: Papa­geien nut­zen Namen etwa zur Begrü­ßung, beim Ver­ab­schie­den oder um gezielt Auf­merk­sam­keit zu bekommen. 

Die Ana­lyse ging dabei über die bloße Laut­nach­ah­mung hin­aus. Die For­schen­den prüf­ten in meh­re­ren Schrit­ten, ob Papa­geien Namen wirk­lich ver­ste­hen: „Zuerst haben wir unter­sucht, ob sie über­haupt Namen ler­nen kön­nen – also die Geräu­sche. Dann, ob sie diese im rich­ti­gen Kon­text ver­wen­den. Und schließ­lich, ob sie einen Namen wirk­lich nur für ein bestimm­tes Indi­vi­duum benut­zen“, erläu­tert Hoeschele.


Man­che Papa­geien ver­wen­den ihren eige­nen Namen, um auf sich auf­merk­sam zu machen 

Die Unter­su­chung belege, dass einige Papa­geien genau dazu in der Lage sind. Sie ver­wen­den unter­schied­li­che Namen für unter­schied­li­che Indi­vi­duen – seien es Men­schen, andere Vögel oder sogar Haus­tiere. „Es gibt Papa­geien, die indi­vi­du­elle Namen von Men­schen oder von ande­ren Haus­tie­ren wie Hun­den ler­nen kön­nen, und diese gezielt ein­set­zen“, sagt Hoeschele. Das deu­tet dar­auf hin, dass die Tiere nicht nur Wör­ter imi­tie­ren, son­dern deren Bedeu­tung zumin­dest teil­weise erfas­sen.
 
Aller­dings weicht ihr Gebrauch von Namen mit­un­ter von mensch­li­chen Kon­ven­tio­nen ab. So ver­wen­den man­che Papa­geien ihren eige­nen Namen, um auf sich auf­merk­sam zu machen – ein unge­wöhn­li­ches Mus­ter aus mensch­li­cher Sicht. Das spre­che für einen fle­xi­blen Umgang mit sprach­li­chen Ele­men­ten. Offen bleibt jedoch, ob Papa­geien auch in freier Wild­bahn ver­gleich­bare For­men der Benen­nung nutzen. 

Papa­geien-For­schungs­pro­jekt läuft weiter

„Das wis­sen wir nicht“, sagt Hoeschele. Feld­for­schung sei in die­sem Bereich beson­ders schwie­rig, da Tiere oft schwer zu beob­ach­ten und indi­vi­du­ell zu iden­ti­fi­zie­ren seien. Den­noch hält sie es für mög­lich: „Wich­tig ist, dass Papa­geien ver­ste­hen kön­nen, dass man Namen gibt. Wenn sie das grund­le­gend ver­ste­hen, könn­ten sie es viel­leicht auch in der Natur anwen­den“. Die Stu­die lie­fert damit zwar kei­nen end­gül­ti­gen Beweis für „Namen“ im Tier­reich, wohl aber starke Hin­weise dar­auf, dass die Fähig­keit, Indi­vi­duen sprach­lich zu unter­schei­den und zu adres­sie­ren, wei­ter ver­brei­tet sein könnte als bis­lang angenommen.

„Die For­schung zu Papa­geien läuft wei­ter und Inter­es­sierte sind ein­ge­la­den mit­zu­ma­chen. Wer also einen Papa­gei hat, kann am For­schungs­pro­jekt teil­neh­men“, so die Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (ÖAW). Dazu gibt es eine eigens ein­ge­rich­tete Web­site (Anm. siehe Link) mit einem Fra­ge­bo­gen. Die Web­site ist auf Eng­lisch, der Fra­ge­bo­gen kann aber auch auf Deutsch aus­ge­füllt wer­den. (red/​laucz)

Autor: red/laucz
23.04.2026

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