Zum Inhalt
© Pexels.com/Artem Podrez

Wich­ti­ger Schritt gegen Erb­krank­heit Neurofibromatose

For­scher von Med Uni Inns­bruck und Stock­holm Uni­ver­sity ent­schlüs­seln erst­mals Mole­ku­lar­struk­tur von Neu­ro­fi­bro­min in hoher Auf­lö­sung. Pro­jekt zeigt Not­wen­dig­keit einer moder­nen cryoEM-Anlage auch am Stand­ort Innsbruck.

Bern­hard Rupp, Struk­tur­bio­loge der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck sowie Andreas Nasch­ber­ger, For­scher­kol­lege und wei­te­ren For­schern von der Stock­holm Uni­ver­sity ist es gelun­gen, erst­mals die Mole­ku­lar­struk­tur von Neu­ro­fi­bro­min in hoher Auf­lö­sung zu ent­schlüs­seln. Die Ergeb­nisse brin­gen die Erfor­schung der Erb­krank­heit Neu­ro­fi­brom­a­tose einen gro­ßen Schritt voran und wur­den nun im inter­na­tio­nal über­aus renom­mier­ten Fach­jour­nal Nature veröffentlicht.

Ver­än­de­run­gen im soge­nann­ten Tumor­sup­pres­sor-Pro­tein Neu­ro­fi­bro­min sind ursäch­lich für die ver­erb­bare mono­ge­neti­sche Erkran­kung Neu­ro­fi­brom­a­tose Typ 1. „Pati­en­ten, die an Neu­ro­fi­brom­a­tose erkrankt sind, lei­den an ver­schie­dens­ten Sym­pto­men, oft her­vor­ge­ru­fen von gut­ar­ti­gen oder bös­ar­ti­gen Tumo­ren der Haut und des Ner­ven­sys­tems und diese kön­nen schon im Klein­kin­des­al­ter auf­tre­ten“, erklärt Bern­hard Rupp, Struk­tur­bio­loge am Insti­tut für Gene­ti­sche Epi­de­mio­lo­gie an der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Innsbruck. 

Struk­tur­auf­klä­rung mit­tels kryo-Elek­tro­nen Mikroskopie
„Mit einer Gebur­ten­häu­fig­keit von 1:3000 gehört Neu­ro­fi­brom­a­tose zu einer der häu­figs­ten Erb­krank­hei­ten, und das Ver­ständ­nis der mole­ku­la­ren Mecha­nis­men die­ser Erkran­kung ist Vor­aus­set­zung für die Ent­wick­lung von the­ra­peu­ti­schen Ansät­zen und Wirk­stof­fen“, so Rupp. Neu­ro­fi­bro­min ist in bis zu zehn Pro­zent aller spon­tan auf­tre­ten­den Tumo­ren mutiert und damit noch mehr in den Fokus der Krebs­for­schung gerückt. 
 
Für die Struk­tur­auf­klä­rung wurde die kryo-Elek­tro­nen Mikro­sko­pie (cryoEM) genutzt und damit kön­nen Pro­jek­tio­nen von Abbil­dun­gen ein­zel­ner makro­mo­le­ku­la­rer Struk­tu­ren auf­ge­nom­men wer­den. Aus vie­len die­ser zwei­di­men­sio­na­len Pro­jek­tio­nen kann die gesamte drei­di­men­sio­nale Struk­tur rech­ne­risch rekon­stru­iert wer­den und das in Auf­lö­sun­gen bis hin zu ato­ma­ren Details. 
 
The­ra­peu­ti­sche Angriffsfläche
Die aktu­elle Publi­ka­tion im pres­ti­ge­rei­chen wis­sen­schaft­li­chen Fach­jour­nal Nature zeigt ein­drucks­voll, dass Neu­ro­fi­bro­min zwei bio­lo­gi­sche Zustände ein­neh­men kann. In einer die­ser Anord­nun­gen ist Neu­ro­fi­bro­min inak­tiv, da seine kata­ly­ti­sche Domäne durch seine eigene zen­trale Kern­do­mäne ste­risch inhi­biert ist und das kann zu unkon­trol­lier­tem Zell­wachs­tum und Krebs führen. 
 
„In der akti­ven Form von Neu­ro­fi­bro­min kann die kata­ly­ti­sche Domäne durch eine mas­sive Kon­for­ma­ti­ons­än­de­rung RAS bin­den, und RAS kann daher regu­liert wer­den. Das Ergeb­nis zeigt, dass auch Neu­ro­fi­bro­min einen inak­ti­ven und akti­ven Zustand besitzt”, erklärt Andreas Nasch­ber­ger, der das Pro­jekt als Post­dok­to­rand in Inns­bruck zusam­men mit Rupp kon­zi­piert und das Pro­tein her­ge­stellt hat. Die Struk­tur erklärt zudem, warum eine Viel­zahl krank­ma­chen­der Muta­tio­nen auch außer­halb der kata­ly­ti­schen Domäne auftritt. 
 
Revo­lu­tio­näre Technik
„Es ist erstaun­lich, wie sich die Struk­tur­bio­lo­gie und damit die gesamte bio­me­di­zi­ni­sche For­schung durch cryoEM ver­än­dert. Daten kön­nen über Nacht auf­ge­nom­men und rasch pro­zes­siert wer­den“, betont Rupp. „Die Anschaf­fung einer leis­tungs­fä­hi­gen bio­mo­le­ku­la­ren cryoEM-Anlage wäre auch am For­schungs­stand­ort Inns­bruck sinn­voll“, so Rupp. 

Denn erst nach Nasch­ber­gers Über­sie­de­lung nach Schwe­den konn­ten die Arbei­ten mit Roz­beh Bara­daran und Marta Car­roni an der eigent­li­chen Struk­tur­be­stim­mung in der cryoEM-Abtei­lung abge­schlos­sen wer­den. Nasch­ber­ger und Rupp haben anschlie­ßend die Struk­tur von Neu­ro­fi­bro­min ver­fei­nert und öffent­lich zugäng­lich gemacht. 

Autor: red/czaak
02.11.2021

Weitere aktuelle Artikel

For­scher der TU Wien kön­nen nun­mehr Ionen­pum­pen mit soge­nann­ter Click-to-Release Che­mie ver­bin­den. Bei heik­len medi­zi­ni­schen Behand­lun­gen kön­nen damit nun auch grö­ßere Mole­küle prä­zise im Kör­per frei­ge­setzt werden. Ein Medi­ka­ment zur rich­ti­gen Zeit genau dort frei­zu­set­zen bzw. zu akti­vie­ren, wo es im Kör­per gebraucht wird, ist oft­mals ein ganz ent­schei­den­der Bestand­teil in der medi­zi­ni­schen Behand­lung. Bei […]
Am 24. April öff­nen bei der Lan­gen Nacht der For­schung wie­derum öster­reich­weit alle rele­van­ten Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen und for­schende Unter­neh­men ihre Türen. In Nie­der­ös­ter­reich tun dies bei freiem Ein­tritt 34 Stand­orte mit über 300 Sta­tio­nen von mehr als hun­dert Institutionen. Bei der Lan­gen Nacht der For­schung war­tet all­jähr­lich ein viel­fäl­ti­ges Pro­gramm auf alle Wis­sen­schafts­in­ter­es­sier­ten und das gilt […]
Neben ISTA Klos­ter­neu­burg, Med­Aus­tron Wie­ner Neu­stadt oder Donau Uni Krems wei­te­res Zen­trum für For­schung und Inno­va­tion in Nie­der­ös­ter­reich. Gemein­sam mit TU Wien und Uni of Applied Sci­en­ces St. Pöl­ten ent­steht in Hain­burg grenz­über­schrei­tende Region für rele­vante Zukunftskompetenzen. Der Spa­ten­stich für den neuen Euro­pa­cam­pus Hain­burg ist erfolgt, der Cam­pus wird in den nächs­ten zwei Jah­ren errich­tet […]
Unter­neh­men Enpul­sion ist welt­wei­ter Markt­füh­rer bei elek­tri­schen Antriebs­sys­te­men für Mikro- und Nano­sa­tel­li­ten. Deut­scher Inves­tor Nord­wind Growth finan­ziert nun mit 22,5 Mil­lio­nen Euro nächste Aus­bau­stufe. Par­al­lel stellt Nie­der­ös­ter­reich neue Hoch­schul­stra­te­gie vor. Enpul­sion mit Sitz am Flug­ha­fen Schwe­chat zählt zu den welt­wei­ten Markt­füh­rern für elek­tri­sche Antriebs­sys­teme für Mikro- und Nano­sa­tel­li­ten. Mehr als 320 Sys­teme sind bereits im Orbit […]
Die The­men Gehirn und Gesund­heit und künst­li­che Intel­li­genz. Med Uni Inns­bruck ver­an­stal­tet vom 16. bis 20. März die dies­jäh­rige „Die Woche des Gehirns“. Ein Fokus gilt Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­den von mensch­li­cher und künst­li­cher Intelligenz. Men­schen ver­trauen ihre Gefühle einer Maschine an. Künst­li­che Intel­li­genz (KI) nähert sich immer mehr der mensch­li­chen Intel­li­genz – oder hat diese […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram