
Wiener Start-Up-Szene im Aufwind
Wiener Jungunternehmer lukrierten in den letzten fünf Jahren rund 800 Mio. Euro von privaten Geldgebern. Über sechzig Prozent der Investionen flossen in Richtung Life Science Projekte, rund dreissig Prozent zu IKT-Projekten und der Rest in den Bereich Dienstleistung und Produktion, so eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsagentur Wien und der Rechtsanwaltskanzlei Kinsky in Zusammenarbeit mit dem Institut für Höhere Studien (IHS).
Bis dato erhobene Invesitionszahlen im Bereich Risikokapital für Neugründungen ergaben etwa für das Jahr 2014 Summen von 25 Mio. Euro (Studie Ernst & Young) bis 50 Mio. Euro (EU-Studie). Experten der Wiener Wirtschaftsagentur erschienen diese Beträge als zu gering und befragten in Folge 500 Start-Ups selbst. 211 Unternehmen antworteten und 142 davon gaben an, seit 2010 über Business Angels, Crowdfunding oder als direktes Risikokapital rund 800 Mio. Euro oder rund 160 Mio. pro Jahr erahlten zu haben.
Life Science und IKT als Wachstumstreiber
“Das Ergebnis hat uns sehr positiv überrascht”, freute sich Gerhard Hirczi, Chef der Wirtschaftsagentur Wien. Mit 542 Mio. Euro floss ein Großteil des Geldes in die Wiener Life Sciences. 190 Mio. Euro ging in den Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und die restlichen rund 60 Mio. Euro teilten sich die Sektoren Dienstleistung und Produktion.
Laut Jurist Philipp Kinsky, der selbst bei vier Start-Ups engagiert ist, kam mehr als die Hälfte der Summe von inländischen Kapitalgebern. Investitionen ab 1 Mio. Euro kommen überwiegend aus dem Ausland. Den Unterschied zwischen internationalen Hochrechnungen und den selbst erhobenen Zahlen erklärt Kinsky damit, dass erstere oft auf unvollständigen Daten und Schätzungen beruhen würden. Viele Start-Ups würden Zahlen nicht gerne herausgeben, an stimmige Infos komme man nur über den entsprechenden Zugang zu den Szene-Netzwerken.
Öffentliche Fördergelder als Hebel für privates Risikokapital
Wie viele öffentliche Fördergelder an die 500 angeschriebenen Unternehmen geflossen sind, werde derzeit eruiert, so Hirczi. Gesichert ist, dass städtische Finanzspritzen insofern von hoher Bedeutung seien, als sie eine Hebelfunktion für Risikokapital hätten. “Denn das heißt, dass man sich bei diesen Projekten schon die Qualität angeschaut hat”, ergänzt Philipp Kinsky.
Auf eine Schätzung der jährlichen Gesamt-Privatinvestitionen für die Neounternehmer-Szene in Wien wollte sich Agenturchef Hirczi nicht einlassen. Das Institut für Höhere Studien (IHS), das die Studie für die Wirtschaftsagentur interpretiert hat, geht in einer ersten Hochrechnung von knapp 900 Mio. Euro pro Jahr aus. Laut Hirczi sind in der Bundeshauptstadt bis zu 2.500 Start-Ups tätig.