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Wie­ner Zukunftsmusik

Erfolg­rei­cher Schritt zum Quan­ten­in­ter­net : For­scher tele­por­tier­ten Verschränkung.

Wie­ner Phy­si­ker konn­ten in einem Expe­ri­ment zei­gen, dass sie nicht nur Quan­ten­in­for­ma­tion mit­hilfe ver­schränk­ter Teil­chen tele­por­tie­ren kön­nen. Sie schick­ten sogar die von Ein­stein als „spuk­hafte Fern­wir­kung“ bezeich­nete Ver­schrän­kung selbst auf die Reise. Über die­sen zum Quan­ten­in­ter­net berich­tet das Fach­blatt „PNAS“.
In der Quan­ten­phy­sik kön­nen sich zwei Teil­chen in einem Zustand befin­den, in dem sie wie durch Zau­ber­hand über belie­big große Distan­zen mit­ein­an­der ver­bun­den blei­ben. Sind etwa Licht­teil­chen (Pho­to­nen) ver­schränkt, dann bewirkt eine Mes­sung des Zustan­des eines der bei­den Teil­chen, dass das andere genau den glei­chen Zustand ein­nimmt. Das ent­spricht zwei Wür­feln, bei denen zum Mess­zeit­punkt der eine immer die glei­che zufäl­lige Augen­zahl anzeigt wie der andere.
Die­ses Phä­no­men machen sich Wis­sens­schaf­ter zunutze, um Infor­ma­tion von einem Pho­ton auf das mit ihm ver­schränkte Licht­teil­chen an einem ande­ren Ort zu über­tra­gen. Die For­scher selbst spre­chen in die­sem Zusam­men­hang von Tele­por­ta­tion. In die­sem Feld sind die Wis­sen­schaf­ter rund um Anton Zei­lin­ger und Rupert Ursin von der Uni­ver­si­tät Wien und dem Insti­tut für Quan­ten­op­tik und Quan­ten­in­for­ma­tion (IQOQI) der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten welt­weite Vorreiter.

Quan­ten­re­pea­ter
Auf der Über­tra­gung von Quan­ten­in­for­ma­tion könnte ein zukünf­ti­ges Daten­netz­werk basie­ren, dem Quan­ten­in­ter­net. Hier stehe man vor dem Pro­blem, die Ver­schrän­kung „von A nach B zu bekom­men“, wie Ursin der APA erklärt. Ein ein­fa­ches Auf­fan­gen, Ver­stär­ken und Wei­ter­lei­ten eines Signals, wie es soge­nannte Repea­ter im her­kömm­li­chen Inter­net machen, komme im Quan­ten­in­ter­net nicht infrage. Denn durch eine Mes­sung und Ver­stär­kung würde der Quan­ten­zu­stand zer­stört werden.
Um die Ver­schrän­kung zu tele­por­tie­ren, braucht es also eine Art „Quan­ten­re­pea­ter“. Einen sol­chen haben die Wis­sen­schaf­ter nun zwi­schen Sta­tio­nen der Euro­päi­schen Nord­stern­warte auf den Kana­ren-Inseln La Palma und Tene­riffa rea­li­siert. Dabei arbei­te­ten sie mit ins­ge­samt vier Pho­to­nen, von denen je zwei aus der glei­chen Quelle stam­men. „Dann ver­schränkt man jeweils ein Pho­ton von der einen und eines von der ande­ren Quelle aktiv mit­ein­an­der. Damit sind die jeweils ande­ren bei­den auch mit­ein­an­der ver­schränkt, obwohl sie gar keine gemein­same Geschichte haben und auch nicht aus der glei­chen Quelle stam­men. Wir haben also quasi zwei Wür­fel her­ge­stellt, die sich gleich ver­hal­ten, aber nie­mals mit­ein­an­der inter­agiert haben. Genau das braucht man für einen Quan­ten­re­pea­ter. Man muss unab­hän­gige Ver­schrän­kun­gen zu jedem belie­bi­gen Ort brin­gen kön­nen“, sagt Ursin.

Ver­schränkte Pho­to­nen über Wien
Mit ihrem Ver­suchs­auf­bau zeig­ten die For­scher, dass die Über­tra­gung über die große Distanz von 143 Kilo­me­tern in der die Quan­ten­zu­stände eigent­lich stö­ren­den tur­bu­len­ten Atmo­sphäre funk­tio­niert. In Zukunft wol­len die For­scher auch ver­schränkte Zustände von Satel­li­ten aus über­tra­gen. Daran seien etwa die euro­päi­sche Welt­raum­agen­tur oder füh­rende Satel­li­ten­her­stel­ler sehr interessiert.
In einem wei­te­ren eben­falls kürz­lich in „PNAS“ ver­öf­fent­lich­ten Expe­ri­ment sen­de­ten die Wie­ner Phy­si­ker ver­schränkte Pho­to­nen über die Dächer Wiens hin­weg, von der Hohen Warte in Wien-Döb­ling über drei Kilo­me­ter zum Dach des Phy­sik-Insti­tuts in Wien-Alser­grund. Mit dem Ver­suchs­auf­bau konn­ten sie zei­gen, dass ver­schränkte Pho­to­nen mehr Infor­ma­tion tra­gen kön­nen als bis­her gedacht. „Für ein künf­ti­ges Quan­ten­in­ter­net – von dem ich über­zeugt bin, dass es kommt – sind dies wich­tige Arbei­ten“, sagt Zeilinger. 

Autor: APA-Science/red/stem
20.11.2015

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