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Will­kom­men Peter Thiel und Bravo Milo Rau!

US-Unter­neh­mer und liber­tä­rer Macht­theo­re­ti­ker Peter Thiel soll bei Wie­ner Fest­wo­chen auf­tre­ten. Kri­ti­ker wol­len ihm kein Podium geben und Fest­wo­chen­chef Milo Rau ent­wi­ckelt Gegen­stra­te­gie. Die ganze Chose beleuch­tet das klein­geis­tige Schre­ber­gärt­ne­rIn­nen­tum in Wien. Ein Kom­men­tar von Chris­tian Czaak.

Die pein­lich-lächer­li­che Debatte um den Auf­tritt Peter Thiels bei den Wie­ner Fest­wo­chen offen­bart ein­mal mehr den beschränk­ten Hori­zont des Öster­rei­chi­schen Klein­bür­ger­tums. Zuneh­mend auch in Kul­tur und Medien. Die Klein­heit des Lan­des und seine katho­lisch geprägte Dop­pel­mo­ral spie­geln sich im Geist sei­ner Men­schen und in der Argu­men­ta­tion gegen Thiel.

Allein unter­neh­me­ri­sche Leis­tung und die dar­aus resul­tie­ren­den glo­ba­len Aus­wir­kun­gen recht­fer­ti­gen Einladung

Allein die unter­neh­me­ri­sche Leis­tung von Peter Thiel mit Grün­dung und Eta­blie­rung von meh­re­ren glo­bal erfolg­rei­chen Kon­zer­nen recht­fer­tigt seine Ein­la­dung. Die aus die­sen Unter­neh­men resul­tie­ren­den glo­ba­len wirt­schafts- und gesell­schafts­po­li­ti­schen Aus­wir­kun­gen recht­fer­ti­gen seine Einladung. 

Die mit Thiel ver­bun­de­nen Anfänge des Sili­con Val­ley mit der impe­ria­lis­tisch-geo­po­li­ti­schen Inno­va­ti­ons­stra­te­gie der US-Tech-Élite recht­fer­ti­gen seine Ein­la­dung. Das mit sehr viel eige­nem Geld finan­zierte Invest­ment in die Ent­schei­dungs­ge­walt des mäch­tigs­ten Lan­des des Pla­ne­ten recht­fer­tigt seine Einladung.

Eine Art Unter­neh­mer-Gott, eine Art Tech-Gott und eine Art macht­po­li­ti­scher Gott

Wem diese The­men noch zu ent­fernt vom kul­tu­rel­len Kon­text der Fest­wo­chen sind, dann kom­men jetzt die phi­lo­so­phisch-welt­an­schau­li­chen Nei­gun­gen von Peter Thiel mit dem Hin­weis auf „Repu­blic of Gods“ als Motto des dies­jährigen Fes­ti­vals. Peter Thiel ist eine Art Unter­neh­mer-Gott, Peter Thiel ist eine Art Tech-Gott und eine Art macht­po­li­ti­scher Gott. Dazu hin­ter­fragt und pro­vo­ziert das (mitt­ler­weile ent­spre­chend) liber­täre Indi­vi­duum Peter Thiel als eine Art Teu­fels-Gott demo­kra­ti­sche Gesellschaftsformen. 

Diese Ent­wick­lun­gen und Nei­gun­gen von ihm basie­ren und pas­sie­ren aber in einer authen­ti­schen Art und Weise. Gebo­ren 1967 im Stern­zei­chen der Waage im deut­schen Frank­furt wech­selt Thiels Fami­lie die Wohn­sitze zwi­schen Deutsch­land und Süd­afrika mit sei­nem Schul­be­such in Johan­nes­burg, und den USA, wo dann 1977 Kali­for­nien zum fes­ten Wohn­sitz wird. 

Zwei Stu­di­en­ab­schlüsse und groß­zü­gige Unter­stüt­zung für zahl­rei­che Kul­tur­pro­jekte und junge Wissenschaftler

Thiel schließt 1989, mit 22 Jah­ren, an der Stan­ford-Uni­ver­sity sein Phi­lo­so­phie-Stu­dium mit einem Bache­lor of Arts ab und dazu pro­mo­viert er 1992 eben­falls in Stan­ford an der Law School als Jurist. Er arbei­tet in New York für einen Bun­des­rich­ter und als Rechts­an­walt in einer Kanz­lei, wech­selt dann aber rela­tiv schnell zur Cre­dit Suisse als Wertpapierhändler.

1996 kehrt Thiel nach Kali­for­nien zurück und grün­det sein eige­nes Unter­neh­men Thiel Capi­tal Manage­ment. Es fol­gen Invest­ments und Grün­dun­gen von Pay­pal (2000; gemein­sam mit Elon Musk), Palan­tir (2003) und Face­book (2004) sowie wei­tere Unter­neh­men im Bereich Fin­Tech, Medi­zin und Medien. Thiel unter­stützt dane­ben auch zahl­rei­che Kul­tur- und Film­pro­jekte sowie zahl­rei­che junge Wis­sen­schaft­ler mit groß­zü­gi­gen Stipendien. 

„Wett­be­werb ist eine Ideo­lo­gie, die unsere Gesell­schaft per­ver­tiert und unser Den­ken zerstört“

Die Zuschrei­bun­gen „Frei­geist“ oder „liber­tär“ tau­chen schon wäh­rend Thiels Stu­di­en­zeit in Stan­ford auf. Er grün­det dort etwa die – Zitat: „liber­täre Cam­pus­zei­tung The Stan­ford Review“. Thiels Hal­tung zur Demo­kra­tie wird wech­sel­weise als „demo­kra­tie­s­kep­tisch“, „anti­de­mo­kra­tisch“ oder „post­de­mo­kra­tisch“ beschrieben. 

Er selbst bekennt sich zum soge­nann­ten Paläo­li­ber­ta­ris­mus, eine poli­ti­sche Phi­lo­so­phie, die per­sön­li­che Frei­heit über staat­li­chen Ein­fluss stellt. Gleich­zei­tig lehnt Thiel den freien Markt ab, da „freier Wett­be­werb Pro­fite senkt“. Und: „Wett­be­werb ist eine Ideo­lo­gie, die unsere Gesell­schaft per­ver­tiert und unser Den­ken zerstört.“

Plä­doyer für mehr Inves­ti­tio­nen in Forschung

Thiel rät Fir­men­grün­dern mit­tels inno­va­ti­ver Tech­no­lo­gien Mono­pole auf­zu­bauen und unter­schei­det dabei zwi­schen „krea­ti­ven Mono­po­len“ und „ille­ga­len Tyran­nen oder Lieb­lin­gen von Regie­run­gen, die keine Mono­pol­er­träge ver­dient hät­ten.“ Seine The­sen gel­ten als eine Art intel­lek­tu­el­ler Schild für die Tech­kon­zerne aus dem Sili­con Val­ley, die eine markt­be­herr­schende Stel­lung anstreben. 

Thiel ver­öf­fent­licht 2012 aber auch das gemein­sam mit Garri Kas­pa­rov (Schach­welt­meis­ter, geb. 1963 in Russ­land) und Max Lev­chin (ehem. CTO Pay­pal, geb. 1975 in der Ukraine) geschrie­bene Buch „The Blue­print“, wo er eine Sta­gna­tion des tech­no­lo­gi­schen Fort­schritts sieht und für mehr Inves­ti­tio­nen in For­schung plä­diert, um den glo­ba­len Wohl­stand zu erhöhen.

“I do no lon­ger believe that free­dom and demo­cracy are compatible”

Sozu­sa­gen ope­ra­tiv poli­tisch tätig wird Thiel erst­mals 2008, wo er den repu­bli­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten Ron Paul unter­stützt. 2012 unter­stützt er Paul noch­mals als größ­ter Ein­zel­spen­der und par­al­lel auch die als rechts-natio­nal gel­tende Tea-Party. 2009 bezeich­net er in einer öffent­li­chen Publi­ka­tion „Frei­heit und Demo­kra­tie als unvereinbar“. 

Peter Thiel im dama­li­gen Ori­gi­nal­ton: „Most importantly, I do no lon­ger believe that free­dom and demo­cracy are com­pa­ti­ble.” Er unter­stützt auch Pro­jekte wie “Seas­tead“, ein anti­na­tio­nal liber­tä­res Vor­ha­ben mit Sied­lun­gen auf dem Meer eben außer­halb von Natio­nal­staa­ten. 2016 unter­stützt er Donald Trumps Wahl zum US-Prä­si­dent und par­al­lel die poli­ti­sche Kar­riere von JD Vance bis hin zum Vize­prä­si­den­ten in Trumps aktu­el­ler Amtsperiode.

Aus­ge­prägte Nei­gung zu einer Art apo­ka­lyp­ti­schen Dramaturgie

Von sei­ner Welt­an­schau­ung her ist Peter Thiel beken­nen­der Christ mit einer aus­ge­präg­ten Nei­gung zu einer Art apo­ka­lyp­ti­schen Dra­ma­tur­gie. Auf Basis bibli­scher Pro­phe­zei­un­gen ver­bin­det er christ­li­che Werte mit liber­tä­ren wie poli­ti­schen Zie­len. Thiel ver­wen­det dabei oft­mals den Begriff Kat­echon (Anm. Auf- oder Zurück­hal­ter) aus dem Neuen Tes­ta­ment. Die­ses Kat­echon soll „Gesell­schaf­ten wehr­haft machen und Inno­va­tio­nen vor­an­trei­ben“, es steht auch für tech­ni­schen Fort­schritt. Die Tech-Nerds betrach­tet Thiel als per­so­na­li­sierte „Auf­hal­ter“ einer „dro­hen­den Apo­ka­lypse und des Antichristen“.

Beob­ach­ter wer­fen hier nun die Frage auf, ob Thiel im Kon­text mit sei­ner Über­wa­chungs­firma Palan­tir nicht selbst der Anti­christ sei. Auch Theo­lo­gen fra­gen sich, ob Thiels Welt­bild sein Han­deln antreibt oder ob die Figur des Anti­chris­ten nicht ein Weg ist, seine Ent­schei­dun­gen zu recht­fer­ti­gen. Final orten sie bei Thiel eine Angst, dass er mit sei­nem sehr gro­ßen Ver­mö­gen von Regie­run­gen oder Regel­wer­ken ein­ge­schränkt oder gar beherrscht wer­den kann. Er fühle sich als Opfer, insze­niert einen ima­gi­nä­ren Kampf und ladet die­sen ent­spre­chend reli­giös-apo­ka­lyp­tisch auf.

Wei­tere Gründe für seine Ein­la­dung und eine ganz pri­vate Bringschuld

Alle diese auf­ge­la­de­nen, mehr­heit­lich span­nen­den Gegen­sätze und all diese Samm­lung an welt­an­schau­lich-phi­lo­so­phisch-reli­giö­sen Nei­gun­gen und Sicht­wei­sen von Peter Thiel recht­fer­ti­gen noch viel mehr seine Ein­la­dung zu den Wie­ner Fest­wo­chen. Und dann gibt es noch eine per­sön­li­che Ver­bin­dung zwi­schen Peter Thiel und Wien als Stadt. 2017 hat er sei­nen lang­jäh­ri­gen Part­ner Matt Dan­zei­sen in Wien gehei­ra­tet. Peter Thiel hat sich also Wien als Ort und Umge­bung für eine sehr pri­vate und fami­liär-intime Fei­er­ze­re­mo­nie ausgesucht.

Jetzt sollte Wien sich auch daran erin­nern. Eben­falls eine „Erin­ne­rung“ wert im Kon­text mit dem Auf­tritt von Peter Thiel und der tak­tisch klu­gen Vor­be­rei­tung und Beglei­tung von Milo Rau sind die zahl­rei­chen natio­na­len und inter­na­tio­na­len Presse- und Medi­en­be­richte. Dar­aus resul­tiert Wert­schöp­fung für Wien als Rei­se­desti­na­tion und auch für Wien als Wirt­schafts­stand­ort. Wien, ein liber­tä­rer, äh, libe­ra­ler und kul­tu­rell hoch­wer­ti­ger Stand­ort mit einer hohen Lebens­qua­li­tät und Diskursfähigkeit. 

(Quel­len und Recher­che: Wiki­pe­dia und Wie­ner Fest­wo­chen; der Text ist nach der „Pro & Con­tra“ – Dis­kus­sion im Odeon ent­stan­den) (red/​czaak) 

Autor: Christian Czaak
30.05.2026

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