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„Wir lie­gen da zwi­schen Nige­ria und der Mongolei“

Wirt­schaft und Kon­junk­tur in Öster­reich befin­den sich wei­ter in ange­spann­ter Lage. In einem aktu­el­len Ran­king der Stand­orte ver­schlech­tert sich das Land. Öko­no­men der Agenda-Aus­tria nen­nen Gründe und Lösungen. 

Öster­reichs Wirt­schaft befin­det sich (wei­ter) im Sink­flug : Im aktu­el­len Wett­be­werbs­ran­king der Län­der-Stand­orte des renom­mier­ten Schwei­zer IMD-Insti­tuts ist Öster­reich auf Platz 26 (von 69) abge­rutscht. Die Arbeits­lo­sig­keit hat die Schwelle von 400.000 über­schrit­ten, ein gro­ßer Teil der Unter­neh­men schreibt nach exor­bi­tan­ten Kos­ten­stei­ge­run­gen bei Ener­gie, Abga­ben und Löh­nen Ver­luste. Inves­ti­tio­nen blei­ben aus oder fin­den nur noch jen­seits der Staats­gren­zen statt. 

Schum­pe­ters Akt der schöp­fe­ri­schen Zerstörung

Eine Bes­se­rung der aktu­ell pro­ble­ma­ti­schen Situa­tion ist immer noch nicht in Sicht. Öster­reich ste­hen Jahre der öko­no­mi­schen Sta­gna­tion bevor, wäh­rend Staats­schul­den, Preise und Büro­kra­tie­be­las­tung wei­ter zuneh­men. Warum es Öster­reich nicht gelingt, sein Poten­zial zu heben und was sich ändern muss, haben die Agenda Aus­tria-Öko­no­men Jan Kluge und Flo­rian Ratz­in­ger in einer aktu­el­len Ana­lyse untersucht.

Der öster­rei­chi­sche Öko­nom Joseph Schum­pe­ter erkannte einst hin­ter der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung den Pro­zess der „schöp­fe­ri­schen Zer­stö­rung“: Neues ent­steht hier, indem Altes ver­schwin­det. „Öster­reich ver­hin­dert die­sen Pro­zess jedoch sys­te­ma­tisch und klam­mert sich am Alten beharr­lich fest. So wur­den Unter­neh­men in Kri­sen über­mä­ßig gestützt und Insol­ven­zen künst­lich nied­rig gehal­ten“, so das Urteil der Öko­no­men der Agenda Austria.

Eine Stra­te­gie für den gesam­ten Wirtschaftsstandort

Ein wei­te­rer Befund betrifft Neu­grün­dun­gen, die ange­sichts des Arbeits­kräf­te­man­gels, der hohen Abga­ben­be­las­tung und des dro­hen­den Büro­kra­tie­in­farkts unat­trak­tiv blie­ben. Im Ergeb­nis zeigt sich hier die geringste Unter­neh­mens­fluk­tua­tion in der gesam­ten EU. „Jetzt fällt uns unsere Men­ta­li­tät auf die Füße. Das IMD-Insti­tut führt Öster­reich bei „Atti­tu­des & Values“ auf einem haar­sträu­ben­den 53. Platz, zwi­schen Nige­ria und der Mon­go­lei“, so ein wei­te­rer Befund aus dem IMD-Ran­king.

Um Öster­reich wirt­schaft­lich auf die Über­hol­spur zu brin­gen, braucht es nicht nur die von der Regie­rung ange­kün­digte Indus­trie­stra­te­gie. Es braucht eine Stra­te­gie für den gesam­ten Wirt­schafts­stand­ort, für alle Unter­neh­men, ob groß oder klein. Die Öko­no­men der Agenda Aus­tria defi­nie­ren vier The­men­be­rei­che, in denen es rasch mehr Anstren­gung zur Ver­än­de­rung braucht.

Stu­fen­weise Anhe­bung des Pen­si­ons­an­tritts­al­ters und deut­li­cher Abbau von För­de­run­gen

Als Ers­tes die Staats­fi­nan­zen, wo Öster­reich an Attrak­ti­vi­tät ver­liert für Inves­to­ren, weil hohe Defi­zite, stei­gende Staats­aus­ga­ben und feh­lende Ein­spa­run­gen das Ver­trauen in die Poli­tik unter­gra­ben. Jeder Inves­tor wisse : Das Defi­zit von heute ist die Steu­er­erhö­hung von mor­gen. Um die Lage zu sta­bi­li­sie­ren, braucht es eine staat­li­che Aus­ga­ben­bremse nach dem Vor­bild der Schweiz, eine stu­fen­weise Anhe­bung des Pen­si­ons­an­tritts­al­ters sowie einen deut­li­chen Abbau von För­de­run­gen. So ent­steht eine rea­lis­ti­sche Per­spek­tive auf nied­ri­gere Steu­ern, damit sich Arbeit und Inves­ti­tio­nen wie­der loh­nen.

Der zweite Ansatz betrifft das oft genannte Thema Büro­kra­tie­ab­bau. Öster­reich ersti­cke im Regel­di­ckicht. Geneh­mi­gun­gen dau­ern im inter­na­tio­na­len Ver­gleich extrem lange, weil sich neun Bau­ord­nun­gen, kom­plexe Ver­fah­ren und ein wach­sen­der Ver­wal­tungs­ap­pa­rat gegen­sei­tig blo­ckie­ren. Es muss ein ech­ter Schnitt durch über­flüs­sige Vor­schrif­ten gehen. Sepp Schell­horn von den NEOs und Mit­glied in der Bun­des­re­gie­rung ist hier­für zustän­dig und hat nach einer umfas­sen­den Erhe­bung quer durch das Land nun kürz­lich ein ers­tes Maß­nah­men­pa­ket prä­sen­tiert, wei­tere sol­len folgen.

Lösungs­vor­schlag beim Thema Bürokratieabbau

Als Lösungs­an­satz brau­che es One-Stop-Shops für Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren, erleich­terte Rah­men­be­din­gun­gen für Start-Ups und ein in der Ver­fas­sung ver­an­ker­tes Ver­bot unnö­ti­ger Ver­schär­fun­gen bei EU-Regeln (Anm. „Gold­pla­ting“). Ganz wich­tig ist hier auch ein spür­ba­rer Per­so­nal­ab­bau in der Ver­wal­tung. „Ohne ein Zurück­fah­ren der Ver­wal­tungs­ka­pa­zi­tä­ten gibt es keine dau­er­haf­ten Fort­schritte bei der Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung“, so die Exper­ten der Agenda-Aus­tria.

Drit­ter Bereich ist der Arbeits­markt. Unter­neh­men fin­den selbst mit­ten in der Rezes­sion kaum noch Mit­ar­bei­ter. Die durch­schnitt­lich geleis­tete Arbeits­zeit sinkt, hohe Arbeits­kos­ten belas­ten den Stand­ort zusätz­lich. Um die Eng­pässe zu lösen, brau­che es ein Steu­er­sys­tem, das Mehr­ar­beit belohnt. Als Bei­spiel wird die zwei­stu­fige Flat-Tax wie in Polen genannt. Aber auch sanf­ter Druck, wie zum Bei­spiel ein degres­si­ves Arbeits­lo­sen­geld, könnte hel­fen. Ebenso genannt als Bei­spiel wird Schwe­den, wo sich die Lohn­ver­hand­lun­gen an der Export­wirt­schaft orientieren. 

Kla­rer Fokus auf Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen durch Digi­ta­li­sie­rung und Automatisierung

Zusätz­lich wich­tig im Kon­text mit dem Thema Arbeits­markt wäre ein kla­rer Fokus auf Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen durch Digi­ta­li­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung. Denn wenn die Arbeits­kos­ten für die Unter­neh­men immer stär­ker stei­gen, dann sen­det der Markt ein kla­res Signal, dass weni­ger arbeits­in­ten­siv pro­du­ziert wer­den muss. „Die­sem Trend kön­nen wir uns nicht ent­zie­hen“, unter­strei­chen die Öko­no­men der Agenda-Aus­tria.

Als vier­ter Ansatz­punkt dann das beson­ders wich­tige Thema Ener­gie. Trotz star­ker Was­ser­kraft gibt es in Öster­reich im inter­na­tio­na­len Ver­gleich sehr hohe Indus­trie­strom­preise. Öster­reich liegt zwar mit­ten im euro­päi­schen Strom­markt, doch ver­krus­tete Eigen­tü­mer­struk­tu­ren, hohe Netz­kos­ten und zahl­rei­che Steu­ern und Abga­ben sind für die hohen Ener­gie­kos­ten mitverantwortlich. 

Es braucht end­lich ech­ten Wett­be­werb im Energiesektor

Als mög­li­che Lösungs­va­ri­ante und damit hier auch end­lich mehr Wett­be­werb ent­steht, wird die Pri­va­ti­sie­rung der staat­li­chen Ener­gie­ver­sor­ger genannt. Auch die Auf­wei­chung der staat­lich garan­tier­ten Eigen­ka­pi­tal­ren­di­ten für Netz­be­trei­ber sowie die Strei­chung unnö­ti­ger Abga­ben wür­den dafür sor­gen, dass Ener­gie für Unter­neh­men und Haus­halte wie­der leist­ba­rer wird. „Atom­kraft im Tull­ner­feld und Frack­ing im Wein­vier­tel haben wir ja lei­der schon vor lan­ger Zeit auf dem Altar des Sta­tus quo geop­fert“, mei­nen die Agenda-Aus­tria Öko­no­men.

Ihr abschlie­ßen­der Befund lau­tet : „Wenn wir uns wei­ter mit Sub­ven­tio­nen, Kurz­ar­beit und Regu­lie­rung gegen die schöp­fe­ri­sche Zer­stö­rung stem­men wol­len, dann kann das nur nach hin­ten los­ge­hen“. Und : „Die Grie­chen haben es bewie­sen. Gerade ein klei­nes Land ohne eigene Wäh­rung, wie Öster­reich, macht sich ver­wund­bar, wenn es drin­gende Refor­men ver­schläft“, ergän­zen Jan Kluge und Flo­rian Ratz­in­ger von der Agenda-Aus­tria. „Der Zeit­punkt zum Han­deln ist spä­tes­tens jetzt“. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
08.01.2026

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