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18. April 2024

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Deutsche Unternehmen zahlen Inflationsausgleich

Deutsche Unternehmen zahlen Inflationsausgleich© pexels/lukas

Nahezu alle deutschen Betriebe erstatten ihren Mitarbeitern die Inflationskosten. Primärer Beweggrund ist das Thema Motivation. Ebenso ein verbessertes Geschäftsklima vermelden die Selbständigen, so aktuelle Erhebungen des deutschen ifo-Instituts.

(red/cc) Die Mehrheit der deutschen Unternehmen hat ihren Mitarbeitenden einen Inflationsausgleich bezahlt. Das gaben 72 Prozent der vom ifo Institut befragten Personalleiter an. Weitere 16 Prozent der Firmen planen, diese Prämie demnächst auszuzahlen. „Grund für die Auszahlung dieser Prämie ist vor allem eine höhere Motivation ihrer Mitarbeitenden“, so Daria Schaller vom ifo-Institut. Bei 27 Prozent erfolgte die Auszahlung zudem als Teil eines Tarifabschlusses. Zwölf Prozent der Befragten wollen keine Prämie auszahlen.

Die Bereitschaft zur Inflationsausgleichsprämie steigt mit zunehmender Unternehmensgröße. Es sind 93 Prozent bei Unternehmen ab 500 Mitarbeitenden und 84 Prozent bei kleineren Betrieben. Firmen in der Industrie zahlten mit 93 Prozent häufiger als Unternehmen im Handel (86 Prozent) und Dienstleistungsbranche (85 Prozent).

Entlastungspakete der deutschen Bundesregierung
Gefragt nach den Beweggründen, sehen 71 Prozent die Prämie als zusätzliche Möglichkeit, die Mitarbeitenden zu motivieren. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) nutzen dabei auch steuerliche Vorteile aus und 49 Prozent geben als Grund ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt an. „Kleine Firmen stellen vor allem die Motivation ihrer Belegschaft in den Vordergrund, große Unternehmen zahlen öfter bei einem Tarifabschluss“, sagt Schaller.

Die sogenannte Inflationsausgleichsprämie erlaubt es Arbeitgebern seit dem 26. Oktober 2022, ihren Beschäftigten steuer- und abgabenfrei einen Betrag bis zu 3.000 Euro zu gewähren. Diese gesetzliche Regelung hat die deutsche Bundesregierung als Teil des dritten Entlastungspakets zur Antwort auf die erhöhten Energiepreise festgelegt. Hierbei handelt es sich um eine freiwillige Leistung. Die Möglichkeit der Auszahlung dieser Prämie gilt bis Ende 2024. In manchen Tarifverträgen wurde die Prämie zudem als allgemein verbindlich beschlossen, so das ifo-Institut.

Geschäftsklima für Selbständige gestiegen
Ein verbessertes Geschäftsklima vermelden auch die Selbständigen Ein-Personen-Unternehmen (EPU), so die aktuelle ifo-Befragung für dieses Segment. Von einer generellen Trendwende kann allerdings „noch nicht gesprochen werden“, so Katrin Demmelhuber vom ifo-Institut. Sie sieht derzeit auch noch keine nachhaltige wirtschaftlichen Erholung für die Selbstständigen.

Im Ausblick auf das erste Halbjahr 2024 zeigen sich die UnternehmerInnen eher verhalten und skeptisch. Runtergebrochen auf einzelnen Sektoren zeigen sich allerdings unterschiedliche Sichtweisen. In der Industrie und auf dem Bau verbesserte sich das Klima, im Handel und bei den Dienstleistern war dagegen eine Verschlechterung zu beobachten.

Zugang zu Krediten für Selbständige schwieriger
„In diesen wirtschaftlich schweren Zeiten ist auch der Zugang zu Krediten für die Selbständigen schwieriger“, erläutert Katrin Demmelhuber. Der Anteil der Befragten, die im vierten Quartal 2023 Kreditverhandlungen geführt haben, bleibt mit rund elf Prozent (acht in Q3) zwar relativ gering. Jedoch stufte knapp die Hälfte dieser Selbständigen (46 Prozent) das Verhalten der Banken als restriktiv ein und das waren mehr als im vorhergehenden Quartal mit rund 37 Prozent.

Das Münchner ifo Institut berechnet den Geschäftsklimaindex für Selbständige seit August 2021. Erfasst werden dabei Soloselbständige und Kleinstunternehmen (weniger als neun Mitarbeitende). Der Index basiert auf einer Zusammenarbeit mit Jimdo, einem Anbieter von Online-Tools speziell für Soloselbständige und kleine Unternehmen. Ziel ist eine erhöhte Sichtbarkeit der Kleinstunternehmen. Neben Jimdo arbeitet auch der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschlands (VGSD e.V.) bei den Erhebungen mit.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 08.01.2024