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Wirt­schafts­mo­tor braucht den Ölwechsel

So klar Öl das Schmier­mit­tel der Welt­wirt­schaft wäh­rend der letz­ten Jahr­zehnte war, so sehr hat sich die Situa­tion durch die Wirt­schafts­krise ver­än­dert. Doch die domi­nante Rolle des Roh­stoffs Öl scheint unverrückbar.

Nichts ist mehr so, wie es ein­mal war. Außer dem Ben­zin­preis natür­lich, der dank Besteue­rung nach wie vor welt­weit bis auf wenige Aus­nah­men unan­ge­nehm hoch ist. Doch abge­se­hen davon : Die Nach­frage nach Öl, dem bei Wei­tem ton­an­ge­ben­den Roh­stoff der glo­ba­len Öko­no­mie, durch­läuft der­zeit eine Krise wie noch nie zuvor.
Zum einen hat dies mit der ver­rück­ten Preis­ent­wick­lung im ver­gan­ge­nen Jahr zu tun. Der abso­lute Spit­zen­wert von 147 Dol­lar pro Bar­rel im Juli 2008 brachte zwar einen unglaub­li­chen Geld­se­gen für die För­der­staa­ten, war jedoch über alle Maßen unzu­träg­lich für die öko­no­mi­sche Gesund­heit der Preisentwicklung.
Ver­stärkt wurde dies noch dadurch, dass Invest­ment-Häu­ser wie Gold­man Sachs damals einen Anstieg des Ölprei­ses „in den nächs­ten zwei Jah­ren“ auf 200 Dol­lar pro­gnos­ti­zier­ten. Auch Spit­zen­ma­na­ger wie Wolf­gang Rut­tenstor­fer von der OMV tön­ten : „Ich glaube nicht mehr, dass der Ölpreis unter die Marke von 80 bis 100 Dol­lar pro Fass fal­len wird“, ganz abge­se­hen von Matthew Sim­mons, Ex-Regie­rungs­be­ra­ter von George W. Bush, der sei­nen Chef wahr­schein­lich damit indi­rekt in des­sen Ölkriege getrie­ben hat und fel­sen­fest einen Ölpreis von 200 Dol­lar „für 2009, 2010 oder 2011, so genau kann ich es nicht sagen“ prophezeite.

Opec ver­hin­dert Abrutsch
Alles Blöd­sinn. Öl notiert der­zeit je nach Sorte knapp über 50 Dol­lar und ist damit gegen­über sei­nem Höhe­punkt Mitte vori­gen Jah­res um fast zwei Drit­tel gefal­len, und nur Inter­ven­tio­nen der Opec (Orga­ni­sa­tion erd­öl­ex­por­tie­ren­der Län­der) ver­hin­der­ten, dass der Preis wei­ter bis unter die 30-Dol­lar-Marke abrutschte.
Die Nach­frage nach dem schwar­zen Gold befin­det sich heute also in einem völ­lig neuen Kräf­te­par­al­le­lo­gramm als noch vor knapp einem Jahr : Einer­seits drückt die Welt­wirt­schafts­krise enorm auf die Nach­frage, ande­rer­seits zwingt die wirt­schaft­li­che Situa­tion füh­rende Indus­trie­län­der buch­stäb­lich zu Alter­na­ti­ven zum Öl. Über­ka­pa­zi­tä­ten bauen sich in den Lagern auf, die Dis­kre­panz zwi­schen För­der­menge und Nach­frage schrumpft deutlich.
Die Inter­na­tio­nale Energie­agentur hat in ihrem vor Ostern ver­öf­fent­lich­ten Ölmarkt­be­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die rei­chen Indus­trie­län­der heuer um fast fünf Pro­zent weni­ger Öl ver­brau­chen wer­den als 2008 und Schwel­len­län­der den ers­ten Nach­fra­ge­rück­gang seit 15 Jah­ren ver­zeich­nen. Somit sei mit einer Stei­ge­rung des Ölprei­ses nicht zu rech­nen, jeden­falls nicht, bevor die Kon­trak­tion der Welt­wirt­schaft gestoppt sei und sich die Nach­frage wie­der erhole, was sicher­lich nicht vor 2010 der Fall sein werde.
Die Ener­gie­ex­per­ten merk­ten auch an, dass die Rolle der Opec deut­lich geschwächt sei, weil näm­lich trotz der „bei­spiel­lo­sen“ Dros­se­lung der Ölför­de­rung seit Sep­tem­ber 2008 der Preis nicht wie üblich wie­der spür­bar stieg.
Die Opec, die sich der Pro­ble­ma­tik zwi­schen Nach­fra­ge­rück­gang durch die Wirt­schafts­krise und einer erzwun­ge­nen Stei­ge­rung des Ölprei­ses durch Maß­nah­men des Kar­tells wohl bewusst ist, hat ange­deu­tet, vor­läu­fig keine wei­te­ren dras­ti­schen Kür­zun­gen vor­zu­neh­men, um der Welt­wirt­schaft Zeit zu geben, sich wie­der zu erho­len. Würde aber wei­ter­hin weni­ger geför­dert, stün­den zukünf­tige Inves­ti­tio­nen in die Ölför­de­rung auf dem Spiel, stellt Saudi-Ara­bi­ens Ölmi­nis­ter Ali Al Naimi die Rute ins Fens­ter. Dies würde eine starke Preis­stei­ge­rung von Öl nur zeit­lich ver­schie­ben und diese dann schlimms­ten­falls mit der Erho­lung der Welt­wirt­schaft kollidieren.

Treib­stoff für Wachstum
Al Naimi malte ein dras­ti­sches Bild : Öl sei auch in Zukunft der Treib­stoff für die wach­sen­den Öko­no­mien der Welt, und ein Umschwung zu alter­na­ti­ven Ener­gie­for­men sei „ver­früht und kata­stro­phal“. Ver­brau­cher­län­der wür­den die Insta­bi­li­tät der welt­wei­ten Ener­giemärkte pro­vo­zie­ren, wenn sie ver­su­chen, ihre Abhän­gig­keit von Öl zu redu­zie­ren, argu­men­tierte Al Naimi. Sie wür­den sich „unrea­lis­ti­sche Vor­stel­lun­gen von den Möglichkeiten
alter­na­ti­ver Ener­gie­for­men“ machen, die sie zumin­dest in den kom­men­den Jah­ren als Ergän­zung, aber nicht als Sub­sti­tut für Öl sehen sollten.
Wenn näm­lich für die künf­tige Ölför­de­rung und ‑suche keine Inves­ti­tio­nen mehr mög­lich seien, würde man einen Ver­sor­gungs­eng­pass bei Öl „eher frü­her als spä­ter“ zu spü­ren bekom­men, und das wäre für eine noch schwä­chelnde Welt­wirt­schaft fatal.
Ganz kön­nen Markt­ex­per­ten diese Mei­nung nicht tei­len, da der Nach­fra­ge­rück­gang tat­säch­lich nach­hal­ti­ger sein dürfte, als es der Opec gelingt, ihre Über­ka­pa­zi­tä­ten abzu­bauen. Im Ide­al­fall, so Ener­gie­ma­na­ger am Rande der Opec-Kon­fe­renz Ende März in Wien, könnte es zu einer sanf­ten bei­der­sei­ti­gen Ent­span­nung über die nächs­ten Jahre kommen.
Der große Unsi­cher­heits­fak­tor ist aller­dings jener, der schon im letz­ten Jahr den Ölpreis in lichte Höhen getrie­ben hat : Spe­ku­lan­ten, die offen­bar in der Hoff­nung auf eine gute Wette schon wie­der auf den Zug auf­sprin­gen, was sich auch daran zeigt, dass die Preise für fast alle wich­ti­gen Roh­stoffe seit April wie­der anzie­hen. Das Pro­blem : Eine sol­che Ent­wick­lung lässt auch die Import­preise der Indus­trie­län­der stei­gen und könnte eine zarte Erho­lung der Wirt­schaft wie­der dämpfen.
Um kon­krete Pro­gno­sen abzu­ge­ben, steht die gesamte Welt­wirt­schaft der­zeit aber noch auf zu wack­li­gen Füßen. Die gro­ßen Öko­no­mien brau­chen Zeit, um die ein­ge­pump­ten Mil­li­ar­den ihrer Natio­nal­ban­ken in Pro­duk­ti­vi­tät umzusetzen.
Erst dann wird man sehen, was der Ölpreis machen wird. Bis jetzt ist der Markt noch von Ner­vo­si­tät geprägt. Aller­dings hat sich die Grund­stim­mung jüngst von Ver­zweif­lung in zarte Hoff­nung verwandelt.

hello world!
Autor:
24.04.2009

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