
Wo steht die Forschung ?
Beachtliche 90 Prozent der Grundlagenforschung finden hierzulande an den Universitäten statt. Darüber, wie diese Forschungsarbeit künftig gefördert werden soll, wird derzeit heftig debattiert.
Eigentlich ist die Sache denkbar einfach : Wissenschaftliche Exzellenz beginnt bei der individuellen Leistung jeder einzelnen Forscherin und jedes einzelnen Forschers, aus eigenem Antrieb den Stand der Forschung aktiv und hoch ambitioniert voranzutreiben.
Relevant wird diese Feststellung, wenn man berücksichtigt, dass Österreichs Universitäten mit dem Universitätsgesetz aus dem Jahr 2002 die Möglichkeit und die Verpflichtung bekommen haben, sich in ihrer Autonomie in Forschung und Lehre zu positionieren, aber auch sich zu profilieren.
Fragt sich nur : Worin besteht nun konkret die Profilierung einer einzelnen Universität ? Was genau kennzeichnet exzellente Forschungsleistungen ? Und vor allem : Wie kann letztendlich die Qualität von universitärer Forschung bewertet und gegebenenfalls verglichen werden ?
Das Thema „Hochschulforschung in Österreich“ war Gegenstand einer Konferenz des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, die dieser Tage in Wien über die Bühne ging. Diskutiert wurde dabei unter anderem darüber, wie man methodisch ein Bild der Forschungslandschaft der heimischen Hochschulen veranschaulichen könne und welchen Einfluss internationale Entwicklungen auf die Ausrichtung der österreichischen Hochschulforschung hätten.
Forschung und Lehre
Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) betonte in seinem Eingangsstatement einmal mehr, dass auf die Universitäten des 21. Jahrhunderts eine Vielzahl von Herausforderungen zukommen würde, die es zu meistern gelte. Auch wenn man sich der großen Tradition des humboldtschen Ideals von der Einheit von Forschung und Lehre verpflichtet fühle, müsse man künftig verstärkt dem Bereich „Bildung und Ausbildung“ an den Unis Rechnung tragen. „Wir müssen mit Humboldt brechen, um ihn neu definieren zu können“, so Hahn.
Im Fokus der Veranstaltung befanden sich in weiterer Folge die Ergebnisse einer Input-Output-Analyse der österreichischen Universitäten. Durchgeführt wurde die Auswertung von Marcus Hudec, der an der Universität Wien am Institut für Scientific Computing tätig ist, und seiner Firma Data Technology, die bereits früher im Auftrag von Ministerien und öffentlichen Institutionen statistische Daten aufbereitet und analysiert hat. Methodisch wurde dabei so vorgegangen, dass die wissenschaftlichen Stellen der jeweiligen Universität in sogenannten Vollzeitäquivalenten als „Input“ genommen und in Relation zum Output, in diesem Fall Publikationen in Zeitschriften und Fachbüchern und Vorträge auf internationalen Konferenzen, gesetzt wurden. Keine Berücksichtigung fand der Output der Lehre, also etwa, wie viele Absolventen die Uni aufzuweisen hat.
Demnach haben Naturwissenschaftler der Universitäten Graz und Innsbruck in puncto Publikationen österreichweit die Nase vorne. Unter dem Durchschnitt liegen die Wissenschaftler der Technischen Universität Graz und der Universität für Bodenkultur in Wien. In den Sozialwissenschaften wiederum wird an den Universitäten Wien und Innsbruck mit Abstand am meisten publiziert, bei den Medizinern ist es so, dass die Innsbrucker sowohl bei Veröffentlichungen als auch bei internationalen Vorträgen überdurchschnittlich präsent sind.
Diskussionsgrundlage
Freilich sei, betonte Hudec, bei der Interpretation all dieser Daten Vorsicht geboten. Schließlich würde eine derartige Auswertung lediglich die Forschungsseite berücksichtigen, nicht aber die unterschiedliche Lehrbelastung der Professoren in den jeweiligen Fachbereichen. Eine gründliche Evaluation der Unis könne durch diese Auswertung jedenfalls nicht ersetzt werden. Einen Zweck hat die Input-Output-Studie jedoch : Sie dient als eine Grundlage für die Verhandlungen über die Leistungsvereinbarungen zwischen dem Ministerium und den Universitäten für die kommende Periode.