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Zusatz­auf­gabe

Mit einer neuen Trenn­tech­nik der TU Wien kann Was­ser­stoff über das Erd­gas­netz ange­lie­fert wer­den. Das löst ein Pro­blem für erneu­er­bare Energieträger.

Das Erd­gas­netz bekommt nun eine Zusatz­auf­gabe : In Zukunft soll es nicht nur Erd­gas, son­dern gleich­zei­tig auch Was­ser­stoff trans­por­tie­ren. Der Was­ser­stoff wird ein­fach dem gewöhn­li­chen Erd­gas bei­gemischt, mit einem an der TU Wien ent­wi­ckel­ten Ver­fah­ren kann er dann wie­der her­aus­ge­fil­tert und direkt für Brenn­stoff­zel­len benutzt werden.
Was­ser­stoff bie­tet die Mög­lich­keit, über­schüs­sige elek­tri­sche Ener­gie aus erneu­er­ba­ren Ener­gie­trä­gern zu spei­chern. In gro­ßen Brenn­stoff­zel­len kann dar­aus elek­tri­scher Strom für Haus­halte, Kran­ken­häu­ser oder ganze Kom­mu­nen pro­du­ziert wer­den, mit klei­ne­ren Brenn­stoff­zel­len wer­den Kraft­fahr­zeuge ange­trie­ben. Ein flä­chen­de­cken­des Netz an Was­ser­stoff-Tank­stel­len gibt es aller­dings noch nicht. „Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten : Ent­we­der man gewinnt den Was­ser­stoff direkt vor Ort durch Elek­tro­lyse, oder man muss ihn anlie­fern, zum Bei­spiel in gro­ßen Druck­tanks“, sagt Michael Harasek. 

Erfolg­rei­che Tests mit Indus­trie­part­ner OMV
Dezen­trale Elek­tro­ly­sen sind teuer und nicht beson­ders effi­zi­ent. Der Trans­port in Tank­fahr­zeu­gen ist eben­falls auf­wen­dig und teuer. „Das Erd­gas­netz erfüllt alle Vor­aus­set­zun­gen, die wir für Was­ser­stoff­trans­port brau­chen“, erklärt Hara­sek. Schon heute dür­fen dem Erd­gas einige Pro­zent Was­ser­stoff als zusätz­li­cher Ener­gie­trä­ger bei­gemischt wer­den – in Öster­reich bis maxi­mal 4 Pro­zent, in Deutsch­land je nach Region sogar bis zu 10 Pro­zent. Die Ein­spei­sung des Was­ser­stoffs ins Erd­gas­netz ist tech­nisch kein Pro­blem, und der gewöhn­li­che Erd­gas­kunde bemerkt davon gar nichts – wer aller­dings Was­ser­stoff haben will, kann ihn ab nun gezielt aus dem Erd­gas-Was­ser­stoff­ge­misch herausfiltern.
An der TU Wien wurde ein zwei­stu­fi­ges Ver­fah­ren ent­wi­ckelt : Mit Hilfe von Mem­bra­nen, die zwar den Was­ser­stoff, nicht aber grö­ßere Mole­küle pas­sie­ren las­sen, kann die Was­ser­stoff­kon­zen­tra­tion zunächst auf 20 – 50 Pro­zent erhöht wer­den. Danach wird das Misch­gas wei­ter gerei­nigt, indem andere Mole­küle – etwa Methan – gezielt von porö­sen Mate­ria­lien adsor­biert wer­den. Das End­pro­dukt ist Was­ser­stoff mit einem Rein­heits­grad von bis zu 99,97 Prozent.
Das Trenn­ver­fah­ren kommt mit 8 bis 12 Pro­zent der elek­tri­schen Ener­gie aus, die man zur Her­stel­lung des Was­ser­stof­fes mit­tels Elek­tro­lyse benö­ti­gen würde. „Wir haben die Tech­no­lo­gie gemein­sam mit unse­rem Indus­trie­part­ner OMV AG schon sehr erfolg­reich getes­tet“, berich­tet Hara­sek. „Nun sind wir auf der Suche nach wei­te­ren Pro­jekt­part­nern, nach Betrei­bern von Erd­gas­net­zen, Elek­tro­lyse-Anla­gen und Wasserstofftankstellen.“ 

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Autor: red/stem
18.04.2016

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