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Zwi­schen Home-Office, Heim­un­ter­richt, Kin­der­be­treu­ung und Haushalt

Med-Uni Inns­bruck erforscht psy­chi­sche Aus­wir­kun­gen rund um Corona-Pan­de­mie. Im Fokus ste­hen ehe­mals Infi­zierte sowie gesunde und psy­chisch kranke Men­schen sowie soziale Isolation.

Zwi­schen Ent­span­nung und Panik. Wel­che Fol­gen hat die Corona-Pan­de­mie auf die psy­chi­sche Gesund­heit ins­be­son­dere in Tirol ? An der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck beschäf­ti­gen sich aktu­ell meh­rere For­schungs­pro­jekte mit die­sem Thema und mit einem bes­se­ren Umgang der Folgewirkungen. 

„Die ers­ten Erfah­run­gen geben nun Anlass zur Beach­tung, nicht aber zu Panik. Final wer­den sich die psy­chi­schen Aus­wir­kun­gen erst in den nächs­ten Mona­ten oder Jah­ren zei­gen“, so die Inns­bru­cker Exper­ten. Bereits bekannt ist, dass Pati­en­tIn­nen nach Auf­ent­halt auf der Inten­siv­sta­tion Angst­stö­run­gen oder andere psy­chi­sche Erkran­kun­gen entwickeln.

Von Heim­un­ter­richt über Home-Office bis zur Corona-Erkrankung
In der Regel ent­steht eine dau­er­hafte psy­chi­sche Erkran­kung, wenn meh­rere Fak­to­ren zusam­men­kom­men. „Wäh­rend die einen sich ent­spannt dem Home-Office wid­men kön­nen, sto­ßen andere an ihre Gren­zen, um zwi­schen Kin­der­be­treu­ung, Schul­un­ter­richt, Arbeits­lo­sig­keit und Haus­halt irgend­wie zurecht zu kom­men“, erklärt Bar­bara Sper­ner-Unter­we­ger, Direk­to­rin der Inns­bru­cker Uni-Kli­nik für Psych­ia­trie II. „Wir bemer­ken eine Zunahme von Anfra­gen, kön­nen der­zeit aber die all­ge­meine Belas­tung noch nicht in Zah­len fassen.“ 

Struk­tu­rier­ter Tages­ab­lauf mit Bewe­gung und Entspannungsübungen
Wich­tig sind vor­beu­gende Fak­to­ren und dazu zäh­len ein struk­tu­rier­ter Tages­ab­lauf, Bewe­gung und Ent­span­nungs­übun­gen. Im Vor­der­grund ste­hen aktu­ell Prä­ven­tion und rasche, nie­der­schwel­lige Hilfe. Auf der Web­seite „Psy­cho­so­ma­tik-Inns­bruck“ (Anm. siehe Link) wer­den fach­ge­rechte Anre­gun­gen für einen bes­se­ren Umgang mit der Krise gege­ben. In der aktu­el­len Ver­sion sind auch bereits Erfah­run­gen der ers­ten Nut­zer ein­ge­baut. Seit Start letz­ten März wur­den die Videos Anga­ben zufolge über 25.000-mal ange­se­hen und knapp 2.000 Fra­ge­bö­gen zur psy­chi­schen Gesund­heit anonym ausgefüllt.

Spe­ku­la­tio­nen ver­un­si­chern die Menschen
Die ers­ten Beob­ach­tun­gen in der Kli­nik wür­den kei­nen Anlass zu Panik geben : „Spe­ku­la­tio­nen ver­un­si­chern die Men­schen nur wei­ter, wir brau­chen ver­läss­li­che Daten und Fak­ten“, so Alex Hofer, Direk­tor der Uni-Kli­nik für Psych­ia­trie I. Hofer lei­tet ein Pro­jekt zur Frage : „Wie bewäl­ti­gen Men­schen mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen Qua­ran­täne und soziale Iso­la­tion wäh­rend der Pan­de­mie?“ Im Zen­trum ste­hen Per­so­nen aus Nord‑, Ost- und Süd­ti­rol, die 2019 in sta­tio­nä­rer psych­ia­tri­scher Behand­lung stan­den sowie die All­ge­mein­be­völ­ke­rung. Erste Ergeb­nisse des vom Land Tirol unter­stütz­ten Pro­jekts kom­men 2021.

Psy­chi­sche Belas­tung und Burn­out bei Ärzten
In einem wei­te­ren For­schungs­pro­jekt der Inns­bru­cker Uni­ver­si­täts­kli­nik für Psych­ia­trie I wer­den in Koope­ra­tion mit der Ärz­te­kam­mer öster­reich­weit alle nie­der­ge­las­se­nen Fach­ärzte und All­ge­mein­me­di­zi­ner zu ihrer psy­chi­schen Belas­tung und einer even­tu­el­len Burn­out­sym­pto­ma­tik befragt. Auch hier wer­den erste Ergeb­nisse 2021 erwar­tet und in einem Jahr soll dann eine Nach­un­ter­su­chung zur Beur­tei­lung des Lang­zeit­ver­laufs stattfinden. 

Gesund­heit nach Covid-19 in Tirol
Spe­zi­ell auf die psy­chi­schen Fol­gen in der Bevöl­ke­rung fokus­siert ist das Pro­jekt „Gesund­heit nach Covid-19 in Tirol“. „Hier geht es um Per­so­nen ab 16 Jah­ren, die posi­tiv getes­tet wur­den“, erläu­tert Katha­rina Hüf­ner, Fach­ärz­tin an der Univ.-Klinik für Psych­ia­trie II. Hier wer­den neben inter­nis­ti­schen und neu­ro­lo­gi­schen beson­ders auch die psy­chi­schen Beein­träch­ti­gun­gen nach einer Infek­tion abgefragt. 

Angst­stö­run­gen oder andere psy­chi­sche Erkrankungen
„Je mehr Men­schen mit­ma­chen, desto genauer kön­nen die Fol­gen einer Corona-Infek­tion auf Psy­che und Lebens­qua­li­tät der Men­schen erforscht wer­den“, bit­tet Hüf­ner die Tiro­ler Bevöl­ke­rung um wei­tere rege Teil­nahme (Link zur Umfrage ange­fügt). Nicht nur die Pan­de­mie, auch die Covid-19-Erkran­kung selbst kann psy­chi­sche Fol­gen haben. „Wir wis­sen, dass Pati­en­ten nach einem län­ge­ren Auf­ent­halt auf der Inten­siv­sta­tion Angst­stö­run­gen oder andere psy­chi­sche Erkran­kun­gen ent­wi­ckeln“, so Hüf­ner, die auch der Fra­gen nach­geht, inwie­weit eine Corona-Infek­tion auch ein Stigma für die Betrof­fe­nen bedeutet. 

Autor: red/mich/cc
20.11.2020

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