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16. Dezember 2018

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Gluten-Angst unbegründet

Gluten-Angst unbegründet© piqs.de/helvetica

Für den zunehmenden Verzicht auf Gluten, einem Trend aus der USA, fehlen wissenschaftliche Belege.

Wer bewusst auf Gluten verzichtet, erhofft sich davon einen gesundheitlichen Nutzen. Die unabhängige Gesundheitsplattform Medizin-Transparent.at der Donau-Universität Krems suchte nach wissenschaftlichen Belegen für diese Annahme. Diese fehlen jedoch.
Das Klebereiweiß Gluten ist in Getreiden wie Weizen, Dinkel oder Gerste enthalten. Die Nahrungsmittelindustrie verwendet es zudem für eine ganze Reihe industriell gefertigter Produkte, von Wurst bis zur Fertigsauce. Obwohl seit Jahrtausenden Teil unserer Ernährung, wird es seit einiger Zeit plötzlich für zahlreiche Krankheitsbilder verantwortlich gemacht.

Keine aussagekräftigen Studien

Auf der Suche nach wissenschaftlichen Belegen für diese Annahme durchforstete das wissenschaftliche Team von Medizin-Transparent zwei große medizinische Literaturdatenbanken, in denen insgesamt über 26 Millionen Publikationen eingetragen sind.
Gut gemachte, aussagekräftige Studien fanden sich dabei jedoch keine. „Ein Gluten-Verzicht entbehrt jeder Grundlage und könnte sogar zu Mangelsymptomen führen“, sagt Viktoria Titscher, Ernährungswissenschaftlerin am Department für Evidenzbasierte Medizin in Krems.

Modeerscheinung durch Bestseller und Hollywoodstars
Die Einzigen, denen eine konsequent glutenfreie Ernährung hilft, sind Zöliakie-Kranke. Etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung leidet an dieser Überreaktion des Immunsystems. Auch bei einer bestätigten Weizenallergie könnte eine Ernährung ohne Gluten die Symptome verbessern. Allerdings ist der Verzicht nur sinnvoll, wenn die Diagnose von Fachleuten kommt.
Wie die meisten Ernährungsmoden kommt der Gluten-frei-Trend aus den USA, angetrieben von einschlägigen Bestsellern und Fallberichten, die durch die sozialen Netzwerke verstärkt werden. So behaupten Hollywoodstars wie Gwyneth Paltrow oder Rachel Weisz, sie würden sich „energetischer“ und besser fühlen, seit sie Gluten aus ihrem Speiseplan verbannt haben.

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red/stem/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 18.11.2016