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29. August 2016

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Mehr Unterschiede als gedacht

Mehr Unterschiede als gedachtBilderbox.com

Mädchen können besser lesen, Buben sind im Rechnen besser – das ist bekannt. Die Geschlechterunterschiede in der Schule gehen aber viel weiter.

Mädchen können besser lesen. Das ist richtig, aber ein differenzierter Blick zeigt: Mädchen haben am Ende der Volksschule beim Lesen leichte Vorteile, die zum Ende der Pflichtschulzeit stark anwachsen. In der Gesamtbevölkerung haben aber die Männer beim Lesen knapp die Nase vorn. Die Erklärung könnte darin liegen: Bei den Jugendlichen lesen die Mädchen deutlich häufiger zum Vergnügen. Wenn es aber nicht nur um Bücher geht, sondern etwa um Online-Texte, dann sind auch die Burschen regelmäßige Leser.
In der Mathematik haben die Burschen am Ende der Volksschule leichte Vorteile und bauen ihren Vorsprung bis zum Ende der Pflichtschule aus. Im Gegensatz zum Lesen verschwinden die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen im Erwachsenenalter nicht, sondern bleiben bestehen. Vor allem trauen sich die Burschen eher zu, schwierige Lernziele zu erreichen. Das gilt auch dann, wenn Burschen und Mädchen die gleiche Kompetenz in der Mathematik haben.

Höherer Bildungserfolg
Mädchen bekommen in Österreich bessere Noten als Burschen, besonders in den Sprachen. Und zwar auch dann, wenn sie über die selbe Kompetenz verfügen. Und ihre Bildungslaufbahnen sind erfolgreicher: Schulpflichtige Buben müssen wesentlich häufiger in die Vorschulstufe als Mädchen und sind auch in den Sonderschulen überrepräsentiert. In der Oberstufe besuchen mehr Mädchen (56 Prozent) eine maturaführende Schule. Die Burschen kommen auf 45 Prozent, sie absolvieren häufiger eine Lehre.
BIFIE-Direktorin Claudia Schreiner plädiert in einer Reaktion dafür, Jugendlichen größere Freiheiten bei der Wahl des Lesestoffs zu überlassen, das Selbstbewusstsein der Mädchen zu stärken und bei den Lehrern Bewusstsein für stereotype Sichtweisen zu schaffen.

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APA-Science/red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 30.09.2015