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19. October 2018

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Zahlungsunfähigkeit bei Jugendlichen steigt durch wenig Finanzwissen

Zahlungsunfähigkeit bei Jugendlichen steigt durch wenig Finanzwissen© Bilderbox.com

Laut aktuellen Daten des Finanzministeriums ist jede vierte zahlungsunfähige Person in Österreich erst 30 Jahre oder jünger und hat im Schnitt 28.000 Euro Schulden, etwa für Handy, Wohnung oder Shopping. Jeder vierte der jungen Verschuldeten hatte schon vor dem 18. Lebensjahr Geldprobleme.

Das mangelnde Fachwissen bereits bei einfachen Finanzthemen zeigt eine Studie von Bettina Fuhrmann auf, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien, deren Teilbereich Finanzwissen im Auftrag des Österreichischen Sparkassenverbandes entstand. "Der Wirtschaftsunterricht hat oft zu wenig mit der Lebensrealität der Kinder und Jugendlichen zu tun", sagt Fuhrmann.
Die Economic-Literacy-Studie "Ökonomische Bildung am Ende der Sekundarstufe I (13 bis 14 Jahre)" ergab, dass nur rund die Hälfte der Schüler erkannte, dass etwa Girokonten einen bargeldlosen Zahlungsverkehr ermöglichen und die Grundlage für Überweisungen und Kartenzahlungen bilden. Rund 43 Prozent nahmen fälschlicherweise an, dass ein Girokonto nur bei regelmäßigen Zahlungseingängen eröffnet werden kann.
Über die Funktionen der Bankomatkarte wussten jedoch über 80 Prozent der Schüler Bescheid. "Wir wollen vermitteln, wie wichtig es ist, sich mit Geld und der eigenen finanziellen Situation auseinander zu setzen. Auch um später selbstbewusster Fragen stellen und die persönlich richtigen finanziellen Entscheidungen treffen zu können", erklärt Sparkassen-Präsident Gerhard Fabisch.

Finanzielles Basiswissen über Schulen und Fördereinrichtungen
In der Volksschule werden bereits erste Grundlagen gelegt, um Wirtschafts- und Geldkreislauf zu verstehen und Sparen zu lernen. Bei den Jugendlichen in der Unter- und Oberstufe liegt der Schwerpunkt auf Haushaltsplanung und Schuldenprävention. Ein wichtiger Baustein im Bereich Wissensvermittlung ist auch das FLIP (Financial Life Park) am Erste Campus in Wien. Hier wird auf spielerische und interaktive Weise der Umgang mit Geld vermittelt (economy berichtete).
Im Rahmen der Studie gaben zudem rund zwei Drittel der Schüler korrekt an, dass man bei Bankschulden Zinsen an die Bank bezahlt und bei Bankguthaben Zinsen von der Bank erhält. Jedoch ging mehr als ein Viertel davon aus, dass man bei Veranlagungen Zinsen zahlen muss. Die Vergabe von Krediten wurde als Hauptaufgabe der Bank gesehen, allerdings von 22 Prozent der Befragten auch das "Drucken von Geld".
"50 Jahre nach der Einführung des Kombinationsfaches "Geografie und Wirtschaftskunde, kann man etwa über ein eigenes Fach "Wirtschafts- und Finanzkunde" nachdenken", resümiert Fabisch. „Zudem könnte auch die Ausbildung der Lehrer in puncto Finanzwissen unterstützt werden,“ so der Sparkassen-Präsident.

Link: www.financiallifepark.at

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 15.12.2017