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17. Juli 2019

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Tragbare Software für Human-Studien

Tragbare Software für Human-Studien© Bilderbox.com

Karl Landsteiner Privatuni arbeitet an intelligentem Armband für verbesserte Datenerhebungen bei psychologischen Studien. Smarte Wearables sollen bisherige fehleranfällige Methoden ersetzen.

(red/czaak) Wissenschafter der Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems entwickeln eine Software für ein innovatives Wearable in Form eines intelligenten Armbandes zur Optimierung der Datengenerierung bei psychologischen Studien. Besonders zum Tragen kommen sollen die Vorteile bei Studien, wo es um die Selbsterfassung von Alltagserfahrungen und -empfindungen geht.

Hier werden bis dato schriftliche Aufzeichnungen oder Smartphones zur Datenerhebung eingesetzt (Anm. Experience Sampling Method/ESM) und das kann erfahrungsgemäß zu verzerrten bis zu ganz falschen Ergebnissen führen. Der Vorteil der neuen Methode liegt in der raschen Verfügbarkeit der Daten durch eine vergleichsweise einfachere Bedienbarkeit des Gerätes.

Universelle Einsatzfähigkeit
„Will man etwa eine Studie zum Rauchverhalten durchführen, wo Beteiligte das akute Verlangen nach einer Zigarette mittels Smartphone-App protokollieren, dann vergeht denen die Lust am Rauchen allein schon deswegen. Wieviel einfacher wäre es da, nur einen Knopf am Handgelenk drücken zu müssen“, erläutert Stefan Stieger vom Department Psychologie und Psychodynamik der KLU Krems. Smartphone raus und aktivieren, App hochfahren, geforderte Aktivität ausführen, App runterfahren, Phone aus und wegstecken - diese bisher praktizierte Erhebungsmethode greife entsprechend akut in das Verhalten ein.

Für eine einfachere Handhabung entwickeln Stieger und sein Team nun ein intelligentes Wearable. „Es muss für wissenschaftliche Zwecke universell einsetzbar sein, deswegen wird es eine Open-Source-Lösung sein. So können je nach Studienprotokoll verschiedene Funktionen programmiert werden“, so Stieger. Das Wearable müsse zudem „autonom agieren, darf nur einen geringen Stromverbrauch aufweisen und muss Daten unabhängig von einem Netzwerk speichern sowie zudem günstig, wind-, wasser- und schlagfest sein.“

Das Lachen als erfreuliches Verhalten
Für die ersten Testläufe greift Stieger nun „auf das Lachen als wahrlich erfreuliches Verhalten des Menschen zurück“. Das Lachen analysierte er bereits im Rahmen einer ESM-Studie, die Smartphones zur Datenerhebung nutzte. „Fast 30 Prozent der Teilnehmer klagten darüber, dass sie ihre Smartphones nicht immer und überall dabeihatten und fanden es zudem störend, diese in einer geselligen Gruppe herauszuholen, um das Lachen zu protokollieren“, erklärt Stieger. „Ein kleiner Click auf ein dezentes Wearable am Handgelenk wäre da einfacher gewesen.“

Im neuen Test zum „Lachen im Alltag“ will Stieger nun beide Erhebungsvarianten direkt miteinander vergleichen. Ein Teil nutzt nochmals Smartphone-Apps in der angeführten Variante und ein Teil die neuen Wearables. Laut Stieger soll dieser Vergleich dann zeigen, dass „die Wearable-Gruppe akkuratere Daten liefert und die Art der Datenerhebung das Ergebnis also beeinflusst.“ Das Team der KLU-Krems sucht für diese aktuelle Studie noch interessierte Teilnehmer aus dem Großraum Krems an der Donau. Infos siehe Link.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 07.06.2019