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20. November 2019

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Eine Smartphone-Tastatur für Blinde

Eine Smartphone-Tastatur für Blinde© TU Wien

TU-Forscher entwickelt mobiles Keyboard, das blinden Menschen Texteingaben am Smartphone ermöglicht. Das Projekt wurde nun mit dem WINTEC-Preis ausgezeichnet. Ebenso prämiert wurden die TU-Projekte „I-Toilet“ und „Phobility“.

(red/czaak) Für viele Menschen ist es normal etwa beim Warten auf die Straßenbahn schnell mal eine Textnachricht ins Smartphone tippenl. Menschen mit Sehbehinderung haben es dabei deutlich schwerer. Es gibt zwar eigene Braille-Schrift-Tastaturen für den Computer, eine einfache wie tragbare Lösung für das Smartphone gab es bisher allerdings nicht.

Johannes Strelka-Petz (Forschungsbereich Multidisciplinary Design & User Research) hat im Rahmen seiner Bachelorarbeit der TU-Wien eine Braille-Tastatur entwickelt, die ganz einfach auf der Rückseite eines Smartphones angebracht werden kann. Das mobile Braille-Keyboard „Oskar“ ermöglicht auch unterwegs rasches Tippen. Strelka-Petz wurde nun mit dem vom Sozialministerium vergebenen WINTEC-Preis für Inklusion durch Naturwissenschaft ausgezeichnet. 

Acht Tasten fürs Smartphone
Die Braille-Schrift stellt jeden Buchstaben als Kombination von Punkten dar. Es gibt sechs Positionen, an denen sich entweder eine tastbare Markierung befindet oder nicht. Um auch Spezialzeichen unterzubringen, kann das Braille-System auf acht mögliche Punktpositionen erweitert werden. „Eine Braille-Tastatur besteht daher aus acht verschiedenen Tasten“, erklärt Johannes Strelka-Petz. „Ähnlich wie ein mit mehreren Fingern gleichzeitig gespielter Akkord am Klavier, produziert man auf dieser Tastatur einen Buchstaben, indem man die entsprechenden Tasten gleichzeitig drückt“, so Strelka-Petz.

Wenn eine solche Tastatur mit einem Computer verbunden wird, liegt sie normalerweise genau wie eine Standard-Tastatur auf dem Tisch. Für das Smartphone drehte Johannes Strelka-Petz dieses Tastensystem um und klebte eine Vorrichtung mit acht Tasten auf die Rückseite des Smartphones. „Die Handhaltung ist daher anders als bei einer gewöhnlichen Tastatur, aber die Tasten sind so angeordnet, dass dieselben Finger trotzdem noch für dieselben Punkt-Positionen zuständig sind“, erläutert Strelka-Petz. „Daher ist es für Menschen, die an eine gewöhnliche Braille-Tastatur gewohnt sind, kein Problem, sehr schnell die Verwendung unserer Smartphone-Tastatur zu erlernen.“ 

Schreibgeschwindigkeit von etwa 20 Wörtern pro Minute
Die Versuchspersonen erreichen mit dem neuen Gerät bereits nach wenigen Minuten eine Schreibgeschwindigkeit von etwa 20 Wörtern pro Minute – mit einer herkömmlichen Braille-Tastatur auf dem Tisch sind etwa 30 Wörter pro Minute üblich. „Dass ist für uns ein großer Erfolg“, betont Strelka-Petz. Dass nicht genau dieselbe Schreibgeschwindigkeit erreicht wird, sei für ihn „nicht überraschend – auch Sehende tippen am Display deutlich langsamer als auf einer vollwertigen Computertastatur“.

Die Tastatur kann auf der Rückseite des Smartphones angeklebt oder mit Magneten befestigt werden. Über eine Low-Energy-Bluetooth-Verbindung kommuniziert das Gerät mit dem Smartphone. Beim mobilen Braille-Keyboard „Oskar“ handelt es sich um ein Open-Source-Projekt, die Pläne und der Programmcode sind frei über das Internet verfügbar. Betreut wurde die Bachelorarbeit von Johannes Strelka-Petz von Roman Ganhör am Institut für Visual Computing und Human-Centered Technologie der TU-Wien. 

Drei TU-Projekte gewinnen bei WINTEC-Bewerb
Bei den vom Sozialministerium vergebenen WINTEC-Preise für Inklusion durch Naturwissenschaft, wurde die mobile Braille-Tastatur der TU-Wien mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Auch die Plätze zwei und drei gingen an Forschungsprojekte der TU Wien.

Über Platz zwei konnten sich Peter Mayer und Paul Panek freuen - prämiert wurde ihr Projekt „iToilet“, eine Toilette die individuell angepasst beim Hinsetzen und Aufstehen hilft. Platz drei erreichte das Projekt „Phobility“ von Georg Hauger. Hier wird untersucht, welche Probleme Menschen mit Phobien beim Benützen öffentlicher Verkehrsmittel haben.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 04.10.2019