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15. November 2018

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Entscheidend für das Überleben

Entscheidend für das Überleben© piqs.de/pg koch

Der Einzelhandel hat eine klar definierte Strategie für die digitale Transformation, stößt aber bei der Umsetzung auf verschiedene Probleme, bis hin zu teilweise massiven Budgetverlusten. Im Kern mangelt es insbesondere an der Verknüpfung von Mensch, Inter-Aktion und Technologie, so die Auszüge einer umfangreichen internationalen Studie von Fujitsu.

Im Rahmen der Studie „The Digital Transformation PACT“ wurden in Summe 1.625 Führungskräfte in 14 Ländern insbesondere zu den vier strategischen Schwerpunkten für eine möglichst erfolgreiche Digitalisierung ihres Unternehmens befragt: Menschen, Aktion, Kollaboration und Technologie. Teil dieses Samples war dann auch die Befragung von knapp 200 Entscheidern im Einzelhandel und hier zeigte sich, dass primär die Angst vorm Scheitern ein ernsthaftes Hindernis einer erfolgreichen Projektumsetzung ist.

Kostennachteile von bis zu 340.000 Euro
Beispielsweise geben 70 Prozent zu, dass diese Angst ihre Projekte verlangsamt. Jeder Fünfte (19 Prozent) hat in den vergangenen zwei Jahren mindestens ein gescheitertes Digitalisierungsprojekt erlebt, das durchschnittlich rund 340.000,- Euro gekostet hat. Zudem bestätigten nahezu ein Viertel (23 Prozent) der Einzelhändler, dass sie digitale Projekte abgesagt haben und auch hier ergaben sich durchschnittliche Verlustkosten von etwas über 180.000,- Euro.
Trotz dieser Rückschläge erwartet die Mehrheit der Einzelhändler eine finanzielle Rendite und operative Vorteile aus den Digitalisierungsprojekten. Ganze 86 Prozent sind zuversichtlich, dass es in ihren Organisationen eine Innovationskultur gibt und 34 Prozent glauben, dass Prozesse und Verhaltensweisen der Säule „Aktion“ der wichtigste Faktor bei der Umsetzung ihrer digitalen Strategien sind, gefolgt vom Faktor „Menschen“ mit 24 Prozent.

Einigkeit über mangelnde digitale Kompetenz
Allerdings gilt es, In vielen wichtigen Bereichen gilt es jedoch deutliche Verbesserungen zu erzielen: 71 Prozent der Einzelhändler sehen in ihrem Unternehmen einen deutlichen Mangel an digitalen Kompetenzen. Fast 70 Prozent befürchten wiederum eine zu starke Konzentration auf das Thema „Technologischer Wandel“ und nicht auf die Themen Prozesse und Verhaltensweisen, die hier unterstützend wirken sollten. Während fast die Hälfte der Einzelhändler in IoT-Systeme (Internet of Things) investiert, sorgen sich knapp drei Viertel, wie sie Innovationen wie Künstliche Intelligenz bei sich einrichten können.
Unterm Strich setzen sich viele Einzelhändler intensiv mit der Beseitigung dieser Defizite auseinander. Fast 90 Prozent verbessern ihren Zugang zu digitalen Kompetenzen und investieren in die Zusammenarbeit mit externen Technologieexperten, Kunden oder auch Start-Ups. Im Vergleich zu anderen Branchen sind die Einzelhändler jedoch am wenigsten gewillt, mit Partnern Co-Creation-Projekte durchzuführen. Nur die Hälfte ist dazu bereit und das kann sich als entsprechender Nachteil für die Branche erweisen.

Digitale Geschäftsmodelle versus Schatten-IT
„Der digitale Wandel trifft den Einzelhandel hart und die gesamte Wettbewerbslandschaft verändert sich quasi unbemerkt. Sowohl die Kundenerwartungen zu erfüllen, als auch die Marktdynamik zu handeln, ist für viele Betriebe eine große Herausforderung, die neue Denkansätze erfordert“, kommentiert Richard Clarke, Executive Director, Global Retail bei Fujitsu. „Wenn Einzelhändler erfolgreich sein und digitale Exzellenz erreichen wollen, müssen sie lernen, die vier Schlüsselelemente von People, Actions, Collaboration und Technology (PACT) effektiv miteinander in Einklang zu bringen“, betont Clarke.
Die Studie ergab weiters, dass 35 Prozent der Einzelhändler bereits digitale Projekte umgesetzt haben, weitere 38 Prozent haben Projekte in Arbeit. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) integrieren digitale Prozesse in bereits bestehende Geschäftsprozesse und Funktionen. Für ein Drittel (31 Prozent) bedeutet der digitale Wandel die Transformation der Geschäftsmodelle und Umsätze ihrer Unternehmen, während 58 Prozent der Befragten sich auf das Schaffen neuer digitaler Geschäftsprozesse fokussieren. Allerdings bleibt die Schatten-IT ebenfalls ein wichtiges Thema, 70 Prozent sind der Meinung, dass digitale Schattenprojekte die einzige Möglichkeit sind, wie Teile des Unternehmens sinnvolle Innovationen durchführen können.
Für zwei Drittel (66 Prozent) der Einzelhändler sind demnach die Kunden der größte Treiber der digitalen Transformation. 91 Prozent geben zu, dass ihre Kunden mehr Digitalität erwarten und 69 Prozent glauben, dass die digitale Transformation zu mehr Wettbewerb führt. Tatsächlich erschüttert die Digitalisierung den Einzelhandel stärker als andere Branchen: Drei Viertel (75 Prozent) sind sich einig, dass es unmöglich ist, vorherzusagen, wer in zehn Jahren die Konkurrenz sein wird. Insgesamt sind 86 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Fähigkeit zur Veränderung entscheidend ist für das Überleben ihres Unternehmens in den nächsten fünf Jahren.

Die Studie
Die Studie The Digital Transformation PACT" wurde vom unabhängigen Marktforschungsunternehmen Censuswide im Auftrag von Fujitsu Technologies International durchgeführt. 1.625 Entscheidungsträger aus 14 Ländern wurden in mittleren und großen Unternehmen aus den Bereichen öffentlicher Sektor, Finanzdienstleistungen, Einzelhandel und Industrie befragt.
Untersucht wurden dabei auch fast 200 Entscheider aus dem Einzelhandel. Alle Befragten hatten entweder bereits ein digitales Transformationsprojekt durchgeführt oder haben Interesse daran bekundet, dies in Zukunft zu tun. Die gesamte Studie „The Digital Transformation PACT" von Fujitsu kann hier heruntergeladen werden: http://www.fujitsu.com/pact

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 10.09.2018