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26. Mai 2017

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Fledermaus-Sehhilfe für Blinde

Fledermaus-Sehhilfe für Blinde© PD-USGov

Von Wiener Maturanten entwickelt: Sensoren mit Ultraschall warnen Blinde vor Hindernissen.

Vier Schüler des TGM, der größten HTL Wiens, entwickelten als Abschlussarbeit eine neuartige Sehhilfe für Blinde. Ein Stirnband sendet Ultraschall aus, um Hindernisse zu orten. Vibrierende Armbänder verraten, ob sich das Hindernis eher links, rechts oder geradeaus befindet. Die Stärke der Vibrationen zeigt die Entfernung an. Zum Einsatz kommt übrigens simple Handy-Technik. "Wir wollten als Diplomprojekt etwas Sinnvolles entwerfen, das anderen Menschen hilft", erzählt Andrea, eine der Schülerinnen aus dem Vierer-Team. Die Burschen und Mädchen besuchen die Richtung Biomedizin- und Gesundheitstechnik am TGM.

Bloß keinen Pieps
Fledermäuse verwenden Ultraschall, um sich zu orientieren. Das Prinzip verwendet auch die Auto-Industrie für Einparkhilfen. Piepsen wie ein Auto beim Einparken sollte das Gerät allerdings nicht. "Blinde Menschen brauchen unbedingt ihre Ohren, um sich zurechtzufinden, da würden akustische Signale sehr stören", erklärt Philipp aus der Projektgruppe. "Wir entwickelten deshalb vibrierende Armbänder." Das System soll den bewährten Blindenstock nicht ersetzen, sondern ergänzen. Mit dem Stock kann ein Blinder Gegenstände auf dem Boden problemlos ertasten. Hindernisse in Brusthöhe oder Kopfhöhe, bemerkt er jedoch nicht und würde dagegenstoßen. In solchen Fällen warnt das Ultraschall-Gerät rechtzeitig.

Blinde Jugendliche testeten
"Ich habe gerne bei den Tests mitgeholfen, das hat großen Spaß gemacht", schildert Xenia, ein Schulmädchen aus dem Bundesblindenerziehungsinstitut. "Es wäre schön, wenn ich so ein Gerät später einmal wirklich verwenden könnte." Das Ergebnis der Tests fiel äußerst zufriedenstellend aus. Alle Probanden lernten rasch, die Vibrationen der Armbänder zu deuten, und konnten Hindernisse auf mindestes 30 Grad genau orten - mehr als ausreichend zum Ausweichen.

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PressetextAustria/red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 15.05.2017