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22. Mai 2017

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„Japan wird von Anlegern unterbewertet“

„Japan wird von Anlegern unterbewertet“(C) wikipedia.org

Richard Kaye, Portfolio Manager des Comgest Growth Japan, rät zu mehr Investitionen im Land der aufgehenden Sonne.

Mit Blick auf japanische Aktien verlief 2016 in zwei Phasen, erläutert Kaye. In der ersten Jahreshälfte bis etwa Juli hinkten Finanzaktien nicht zuletzt wegen der Negativzinspolitik der Bank of Japan dem Markt weit hinterher. Im Sommer habe sich jedoch ein neuer Trend an den Märkten durchgesetzt, der durch den Wahlausgang in den USA noch verstärkt wurde.
Japans wichtigstem Handelspartner, den USA, scheint 2017 ein radikaler Richtungswechsel bevorzustehen. Premierminister Shinzo Abe war indes der erste Regierungschef, mit dem sich Donald Trump getroffen hat. Die gemeinsamen Interessen beider Länder, wie der Fokus auf Unternehmen, die Vorsicht gegenüber China und die Zustimmung zu Währungsanpassungen vor dem Hintergrund einer Zinsnormalisierung könnten die Differenzen in den Hintergrund treten lassen und die Handelsynamik erhöhen.

Politische Kontinuität
„Shinzo Abe führt eine der am längsten amtierenden Nachkriegsregierungen in Japan und steht für eine politische Kontinuität, wie sie in Industrieländern immer seltener anzutreffen ist“, so Kaye. 2017 jährt sich die Einführung der Negativzinspolitik. Sollten die Zinsen so niedrig bleiben, sei - zumindest im Jahresvergleich - mit einem deutlich schwächeren Yen/Dollar-Wechselkurs und mit weiter nachlassender Wirkung der Mehrwertsteuererhöhung zu rechnen. „Für uns ist jedoch wichtig, dass die Politik wirklich gute Unternehmen nicht vom Erfolgskurs abbringen kann“, unterstreicht Kaye.
Japan bleibe ein in vielen Punkten missverstandener und zu wenig beachteter Aktienmarkt, was seiner seit 20 Jahren mageren Wertentwicklung zuzuschreiben sei. Doch gerade Unternehmen mit globaler Technologie- oder Markenführerschaft, die zwar in Japan ansässig sind, aber im Ausland am stärksten wachsen, wie etwa Keyence, oder Firmen, die von wesentlichen Neuerungen und Trends in der Binnenwirtschaft profitieren, auf die man im Ausland aber noch nicht aufmerksam geworden ist, wie etwa der Restaurantausrüster Hoshizaki, hätten großes Potenzial für Anleger, so Kaye.

Wachstumsdynamik
Beispielhaft für die jüngste Wachstumsdynamik sei Relo Holdings, ein führender Anbieter von Managementsystemen für betriebliche Anreizprogramme, der vom anhaltenden Outsourcingtrend in der Vermietung von Firmenwohnungen, in der Immobilienverwaltung sowie bei Anreizprogrammen ebenso profitierte wie von der erfolgreichen Integration von Übernahmen. Auch bei der Modeplattform Start Today stieg der operative Gewinn im 3. Quartal um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die größere Vielfalt an Marken und höhere Verbraucherausgaben scheinen das Wachstum zu beflügeln, analysiert Kaye.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 07.03.2017