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21. September 2017

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Kapitalzugang für Betriebe vorerst ausreichend

Kapitalzugang für Betriebe vorerst ausreichend© piqs.de/uggboyugggirl

Österreichs Mittelstand setzt weiterhin auf klassische Finanzierungsformen. In Zukunft muss er unabhängiger von Banken werden, die Kreditvergabe bleibt restriktiv.

Der Zugang zu Finanzierungsmitteln bereitet der Mehrheit von Österreichs Mittelstandsunternehmen momentan kein Kopfzerbrechen: Fast 85 Prozent bewerten ihren Zugang zu Kapital momentan als ausreichend. Nur 15 Prozent sehen ihr Unternehmen aktuell durch den schwierigen Zugang zur Finanzierung gefährdet. Aber 43 Prozent der heimischen Betriebe beklagen, dass die Kreditvergabe der Banken in den vergangenen drei Jahren eher restriktiver geworden ist. Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die in Österreich 900 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern befragt wurden.
„Immer striktere Vorschriften im Bankensektor und strengere Eigenkapitalregeln schränken Banken bei der Vergabe von Krediten ein. Gleichzeitig gehen aber zwei Drittel der Betriebe in Österreich von steigenden Finanzierungskosten in diesem Jahr aus. Um diesen erhöhten Kapitalbedarf stemmen zu können, müssen die mittelständischen Unternehmen ihre Finanzierung auf eine breitere Basis stellen und diversifizieren“, erklärt Andreas Steiner-Posch, Geschäftsführer Capital & Debt Advisory bei EY Österreich.

Sogenannte Innenfinanzierung und Bankdarlehen

Der österreichische Mittelstand hält es bei der Finanzierung gerne „klassisch“: Am beliebtesten ist die Innenfinanzierung (55 Prozent), auf Platz zwei folgen Bankdarlehen (50 Prozent). Immerhin 42 Prozent setzen am liebsten auf Leasing. Jeweils rund ein Fünftel der Unternehmen finanziert sich über öffentliche Förderprogramme oder Kapital aus Gesellschafteranleihen.
„Infolge der Wirtschaftskrise hat das Rating einen deutlich höheren Einfluss bekommen. Gleichzeitig müssen weniger erfolgreiche und kleinere Unternehmen in Österreich deutlich stärker auf Bankkredite setzen – an die sie aber deutlich schwieriger kommen. Dem österreichischen Mittelstand droht eine Zweiklassengesellschaft, die immer stärker auseinanderdriftet. Um dem entgegenzuwirken, sollten sich mittelständische Betriebe auch mit alternativen Finanzierungsformen auseinandersetzen“, so Steiner-Posch.
Allerdings rechnet momentan nur rund jedes achte Unternehmen damit, dass alternative Finanzierungsinstrumente wie Leasing, Schuldscheindarlehen oder Factoring im Jahr 2017 wichtiger für sie werden. Vier von fünf Betrieben gehen hingegen von einer unveränderten Bedeutung aus.

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red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 24.04.2017