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28. Juni 2017

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Rekordhoch bei chinesischen Investitionen in Europa

Rekordhoch bei chinesischen Investitionen in Europa(C) wikipedia.org

Noch nie hat China in Europa mehr in Unternehmenskäufe investiert wie 2016. Im Fokus steht Deutschland, in Österreich gab es hingegen nur zwei Deals.

Insgesamt kauften sich chinesische Investoren bei 309 Unternehmen ein. Damit stieg die Zahl der Akquisitionen in Europa um 48 Prozent – im Jahr 2015 hatte es europaweit 209 Transaktionen gegeben. Besonders im Fokus stehen Industrieunternehmen. Auch das Transaktionsvolumen ist 2016 sprunghaft auf fast das Dreifache gestiegen: In Europa tätigten chinesische Unternehmen im vergangenen Jahr Zukäufe im Wert von 85,8 Mrd. US-Dollar. 2015 lag das Volumen bei 30 Mrd., wie eine Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation Ernst & Young (EY) ergeben hat.
„Die chinesischen Investoren sind bereit, auch hohe Summen zu bezahlen, um auf diesem Weg neue Geschäftsfelder zu erschließen und sich stärker im High-Tech-Segment zu positionieren, wohin mit 12,6 Mrd. US-Dollar das mit Abstand größte Volumen floss“, beobachtet Eva-Maria Berchtold, Partnerin und Leiterin Transaction Advisory Services bei EY Österreich.

Hauptziel Deutschland
Mit 68 getätigten Akquisitionen ist Deutschland das mit Abstand beliebteste Investitionsziel chinesischer Unternehmen. Auf dem zweiten Platz steht Großbritannien mit 47 Akquisitionen, gefolgt von Frankreich und Italien, wo jeweils 34 Zukäufe getätigt wurden. Aufgrund der Syngenta/ChemChina-Transaktion liegt das Zielland Schweiz bei der Transaktionssumme mit insgesamt 45,8 Mrd. US-Dollar vorn. Deutschland folgt mit 12,6 Mrd., Großbritannien mit 9,6 Mrd..
Österreich wird auf der Shoppingtour chinesischer Investoren in Europa allerdings nur gestreift – 2016 gab es zwei Transaktionen: Die Mehrheitsübernahme der LMF Unternehmensbeteiligung durch den Kompressor-Hersteller Kaishan Compressor um 26,23 Mio. US-Dollar und den Kauf des Autozulieferers Austria Druckguss durch den Automobilzulieferer Zhongding (ohne Preisangabe).
„Österreich ist bei diesem Boom momentan nur Zaungast. In den seltenen Fällen, in denen sich Chinesen mit österreichischen Unternehmen beschäftigen, halten sie gezielt nach einzelnen Top-Betrieben mit starker Spezialisierung und führenden Technologien Ausschau. Ein Beispiel dafür sind die heimischen Ski-Firmen, da China aufgrund der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking einen Boom im Wintersportbereich erwartet und das nötige Know-how unter anderem aus Österreich zukaufen möchte“, so Berchtold.

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red, Economy Ausgabe Webausgabe, 28.02.2017