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23. September 2017

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US-Konzerne dominieren Pharma-Branche

US-Konzerne dominieren Pharma-Branche© Bilderbox.com

Krebsmedikamente sind weiter der Umsatzbringer, mit weiteren Übernahmen ist zu rechnen.

Die US-Konzerne entwickelten sich zuletzt positiver als ihre Konkurrenz aus Europa und Japan. Die Top-10 beim durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum zwischen 2014 und 2016 sind fest in US-amerikanischer Hand – sieben von zehn Vertretern kommen aus den Vereinigten Staaten: Angeführt wird das Ranking von Abbvie mit einem Zuwachs von 13,3 Prozent.
Die beiden deutschen Konzerne Bayer und Boehringer Ingelheim, deren Pharma-Sparten in dem Zeitraum pro Jahr durchschnittlich um 10,2 beziehungsweise 9,2 Prozent wuchsen, finden sich auf den Plätzen fünf und sechs wieder. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 21 größten Pharmaunternehmen der Welt, welche die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY erstellt hat.

Neue Krebswirkstoffe
Die Unternehmen setzen bei der Entwicklung neuer Produkte weiter auf die bisherigen Hauptumsatzträger: Von den in der klinischen Entwicklung befindlichen Wirkstoffen sind 1.776 Krebsmedikamente – das entspricht einem Anteil von 39 Prozent an allen Wirkstoffen. Medikamente gegen Infektionen und zur Behandlung des zentralen Nervensystems folgen mit weitem Abstand auf den Plätzen zwei und drei (513 beziehungsweise 489). Bereits heute machen Krebsmedikamente knapp 29 Prozent aller Medikamentenumsätze der Top-21-Unternehmen aus. Die Umsätze in dem Bereich stiegen von 2015 auf 2016 noch einmal deutlich um zehn Prozent auf 127,9 Milliarden Euro.
Trotz der hohen Anzahl an neuen Wirkstoffen schaffen es die großen Pharmaunternehmen nicht, ihren Umsatz an die Marktentwicklung anzugleichen. „Der hohe Aufwand aus der Forschung zahlt sich am Ende häufig nicht genügend aus. Der Pharmamarkt ist stark reguliert. Manche Medikamente werden außerdem nicht von den Kassen erstattet beziehungsweise die Unternehmen können nicht die erhofften Preise durchsetzen. Das kostet am Ende Wachstum. Immerhin haben die Behörden in jüngster Vergangenheit ihre Zulassungsverfahren etwas beschleunigt“, sagt Erich Lehner, zuständiger Partner für den Bereich Life Sciences bei EY Österreich.
Daher bräuchte Big Pharma im laufenden Jahr einen Umsatzschub von 100 Milliarden US-Dollar, um mit der Entwicklung des Gesamtmarktes mithalten zu können. „Dieser Wachstumsdruck befeuert den Übernahmemarkt“, erläutert Lehner. „Denn aus eigener Kraft kommen die großen Pharmaunternehmen nicht auf die nötigen Wachstumszahlen.“

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red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 06.06.2017