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12. Dezember 2018

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Weniger ist mehr

Weniger ist mehr© Bilderbox.com

Forschungsprojekt von Donau Uni Krems und MedUni Graz zum Thema Fehlversorgung von älteren Patienten mit Medikamenten und Therapien.

Welche Behandlungen und Untersuchungen nützen den Patienten wirklich, welche können sogar schaden? Welche werden zu häufig, welche zu selten eingesetzt? Als erste Fachgesellschaft hat die Österreichische Gesellschaft für Geriatrie im Rahmen des Projekts „Gemeinsam gut entscheiden“ fünf wichtige Empfehlungen für ältere Patienten veröffentlicht, die laut Erhebungen zu viele Medikamente erhalten. Wissenschaftlich unterstützt wird die Auswahl der Empfehlungen durch eine Kooperation des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie der Donau-Universität Krems mit dem Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung der Medizinischen Universität Graz.

Evidenzbasierte Daten gegen Fehlentwicklung
Personen mit fortgeschrittener Demenz werden gegenwärtig oft über einen künstlichen Zugang zum Magen ernährt. Wie Studien zeigen, wäre eine normale Ernährung besser, da der künstliche Zugang weder das Leben verlängert noch die Lebensqualität verbessert, sondern zu Flüssigkeitsüberlastung, Durchfall, Bauchschmerzen oder zu Komplikationen führen kann. Solchen Fehltherapien wollen das Projekt „Gemeinsam gut entscheiden“ mithilfe evidenzbasierter Daten durch Empfehlungen entgegen wirken und Ärzte wie Patienten eine Hilfestellung geben.
Ein weitere Empfehlung: Die Verwendung von Antipsychotika bei Patienten mit Demenz sollte auf jene Fälle beschränkt werden, in denen nicht-pharmakologische Maßnahmen versagt haben und Patienten eine unmittelbare Gefahr für sich selbst oder andere darstellen. Derzeit wird diese Form der Psychopharmaka gerne Menschen mit Demenz verschrieben, die herausfordernde oder störende Verhaltensweisen wie beispielsweise Widerstand gegen die Pflege aufweisen, ohne zu untersuchen welche Ursache dem Verhalten zugrunde liegt.

Empfehlungen durch Österreichische Gesellschaft für Geriatrie
Fünf solcher Empfehlungen wurden nun durch die Österreichische Gesellschaft für Geriatrie als erste Fachgesellschaft ausgewählt und auf der Website der Initiative „Gemeinsam gut entscheiden“ veröffentlicht. Die Empfehlungen wurden im Rahmen einer Befragung nach der Delphi-Methode gemeinsam mit der österreichischen Fachgesellschaft für Geriatrie und Gerontologie und dem Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie der Donau-Universität Krems ausgewählt.
Dabei stehen nur solche Empfehlungen zur Verfügung, die vom Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung der Medizinischen Universität Graz (IAMEV) als verlässlich eingestuft wurden. Die Empfehlungen werden der Ärzteschaft nun durch eine Informationskampagne bei Fortbildungen und auf Kongressen bekannt gemacht.

Gemeinsam gut entscheiden
„Ziel von ‚Gemeinsam gut entscheiden‘ ist es, Entscheidungen im medizinischen Alltag mit evidenzbasierten Empfehlungen zu unterstützen, um einer Fehlversorgung der Patienten entgegenzusteuern“, erläutert der wissenschaftliche Leiter der Initiative, Karl Horvath vom Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung IAMEV der Medizinischen Universität Graz. Sie kooperiert dazu mit Cochrane Österreich am Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie der Donau-Universität Krems, kurz EBM.
„Gemeinsam mit medizinischen Fachgesellschaften erstellen wir Listen von medizinischen Tests und Therapien, die entweder wenig bis gar keinen nachweisbaren Nutzen haben oder sogar Schaden verursachen können und somit hinterfragt bzw. vermieden werden sollten“, ergänzt Anna Glechner vom EBM. Zusätzlich plant „Gemeinsam gut entscheiden“ in einer Begleitforschung zu erheben, welche Faktoren zur Umsetzung der Empfehlungen in der Praxis führen.

Patienten in Entscheidung einbinden
Auch eine gezielte Information der Behandelten könnte helfen, mehr Bewusstsein für evidenzbasierte Empfehlungen zu schaffen, so Glechner. Patienten-Informationen erleichtern ein Verständnis dafür, dass Therapien und Untersuchungen nicht nur Vorteile, sondern auch Schaden mit sich bringen können, und dass das Nutzen-Schaden-Verhältnis ausgewogen sein sollte. Im Rahmen von „Gemeinsam gut entscheiden“ werden daher auch Patienten gemäß den Standards für eine gute Patienteninformation über die relevanten Empfehlungen informiert.
Vorbild der Initiative „Gemeinsam gut entscheiden“ ist die in den USA erfolgreiche Aktion „Choosing Wisely“. Deren Empfehlungen sowie solche ähnlicher mitteleuropäischer Initiativen bildeten die Grundlage für aktuelle Empfehlungsliste in Österreich. Finanziert wird „Gemeinsam gut entscheiden“ vom Gesundheitsfonds Steiermark, der Steiermärkische Gebietskrankenkasse, des Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds und von der Niederösterreichische Gebietskrankenkasse.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 23.03.2018