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28. Februar 2020

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Der Klassenprimus

Der Klassenprimus© Bilderbox.com

Eine frühzeitige Standort-Entwicklung mit international vernetzter Bildung, Forschung und Innovation als zentrale Elemente ergibt ein nachhaltiges Fundament für Niederösterreichs Wirtschaft mit mehr als 90.000 Unternehmen und 800.000 Erwerbstätigen.

(Christian Czaak) Österreichs größtes Bundesland verfügt über eine vielfältige Wirtschaftsstruktur mit gleichmäßiger Verteilung auf verschiedene Branchen, von Produktionsbetrieben und Bauwesen über Handel, Energie und Gesundheit bis hin zu Finanz, Tourismus und Landwirtschaft. Mit einem Bruttoregionalprodukt (BRP/BIP) von rund 51 Milliarden Euro hält Niederösterreich (NOe) einen Anteil von rund 16 Prozent an der Gesamtwirtschaft Österreichs.

Bei der Entwicklung des BIP von 2012 bis 2016 liegt NOe (+ 0,9 %) vor Gesamtösterreich (+ 0,6 ) und bei der Brutto-Wertschöpfung für diesen Zeitraum liegt das Bundesland (+ 0,9) ebenso vor Gesamt-Österreich (+ 0,65). Auch bei den Exporten ist eine kontinuierliche Steigerung zu verzeichnen. Mit einem Volumen von 20 Mrd. Euro nimmt NOe österreichweit nunmehr bereits Platz 2 ein, nach Oberösterreich mit 34 Mrd. Euro, so die Daten vom Institut für Höhere Studien (IHS), von Statistik Austria und vom Wirtschaftsforschungs-Institut (WIFO).

Früher Beginn und Nachhaltigkeit bei Investments und flächendeckender Strategie
Basis hierfür war ein vergleichsweise sehr früher Start und die kontinuierliche Vorantreibung flächendeckender wie international ausgerichteter Maßnahmen. Bereits 1962 erfolgt die Gründung des ersten österreichischen Wirtschaftsparks im Industriegebiet Wiener Neustadt als Basis für die Niederösterreichische Betriebsansiedelungsagentur EcoPlus. 1988 folgt mit dem Regionalinnovationszentrum (RIZ) NOe-Süd das erste Gründerzentrum Österreichs, 1991 der erste grenzüberschreitende Wirtschaftspark oder 2002 mit TecNet die erste Risikofinanzierungsgesellschaft für Neugründungen im Bereich Technologie und Innovation.

Schaut man sich nun Wirtschaftsstruktur und einzelne Wertschöpfung des Landes an, dann sind die Branchen Produktion (rund 21%), Verwaltung & Gesundheitswesen (17), Handel (14) sowie Grundstücks- und Wohnungswesen (10) führend, vor Verkehr, Bau und Dienstleistungen (jeweils 7) sowie Energie, Finanz, Tourismus und Landwirtschaft (jeweils rund 3). Danach folgt der IKT-Sektor.

Innovation und die Lebensgrundlage der Menschen
Zentrale Messlatte für Attraktivität und Dynamik eines Standortes ist die Anzahl neuer Unternehmensgründungen. Vergleicht man die statistisch verfügbaren Jahre 2011 bis 2014, so zeichnet NOe auch hier eine kontinuierliche Steigerung aus. Von knapp über 7.000 Neugründungen 2011 hat sich das Land bis 2014 auf über 7.800 (+ 11%) gesteigert. Wien, aktuell noch Spitzenreiter (8.150), pendelt in diesem Zeitraum rauf und runter (2011/2013 noch bei rund 8.500).

Ein weiteres aussagekräftiges Kriterium für einen Standort ist die Forschungsquote. Ausgehend vom Bruttoregionalprodukt (BRP) und den Investitionen in F&E (Forschung & Entwicklung) ist sie ein Indikator für die Innovationskraft eines Landes. Betrachtet man ebenso die Jahre 2011 bis 2014, bestätigt sich auch hier das Alleinstellungsmerkmal von NOe. Kommt Österreich in diesem Zeitraum auf eine Steigerung von rund 10 Prozent (2,7%/2011 – 3%/2014), schafft das Land mit rund 20% das Doppelte (1,5%/2011 – 1,8%/2014). In Summen ausgedrückt hat das Bundesland NOe allein 2014 von 55,5 Mrd. BRP den Betrag von rund 890 Mio. in F&E investiert.

Beim Arbeitsmarkt liegt NOe mit einem aktuellen Zuwachs von 0,7% gleich auf mit Österreich, Basis ist hier die sog. Aktivbeschäftigung ohne Kindergeldbezieher und Präsenzdiener. Wichtiger Messwert für die Lebensgrundlage der Menschen ist aber letztlich das verfügbare Einkommen je Einwohner. Lag NOe im Jahre 2000 mit rund 16.000,- p.a. österreichweit noch an dritter Stelle, folgte 2007 dann mit rund 21.000,- (+ 30%) die zweite Stelle nach Wien und im datenmäßig letztverfügbaren Jahr 2013 dann vor Vorarlberg (22.700,-) und Salzburg (22.400,-) der erste Platz mit 22.800,-.

Internationales Vorzeigemodell
Dass sich Niederösterreich (NOe) auch im internationalen Wettbewerb der Regionen nachhaltig behaupten kann, wurde in den vergangenen Jahren mit mehreren hohen internationalen Auszeichnungen belegt, etwa die Prämierung als „Innovativste Region Europas“ oder der "European Award of Excellence" für die vorbildliche Unterstützung von unternehmerischen Neugründungen.

Im Rahmen des internationalen Austausches entstand zudem beispielsweise mit der Landesregierung von Kastilien und Leon eine enge Partnerschaft mit dem Transfer der in NOe angewandten Balanced-Scorecard-Methodik in die spanische Region. Umgekehrt greift NOe neue Ansätze nach einem Review der niederösterreichischen Innovationspolitik durch die Baskische Landesregierung auf.

Dazu zählen etwa verstärkte Imagebildung und Corporate Identity der Technopole, die Vereinfachung des Marktzugangs und die systematische Erschließung neuer Geschäftsfelder für niederösterreichische KMUs. Weitere Schwerpunkte sind die Gewinnung hochqualifizierter junger Arbeitskräfte und Forscher oder die verstärkte Identifikation von lokalen Innovationspotenzialen. Entwickelt und umgesetzt wurden all diese Projekte von der Abteilung Wirtschaft, Tourismus und Technologie des Landes, zugehörig dem Ressort von NOe-Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 25.10.2016