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28. Juni 2017

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Grenzenlos clustern

Grenzenlos clustern© piqs.de/steve webel

Österreichs Automobil-Cluster suchen ihr neues Glück in Südosteuropa. Gepunktet werden soll durch Know-how.

Letztes Jahr gab es beim AC Styria einiges zu feiern. Österreichs Urcluster kann schon auf zehn erfolgreiche Jahre zurückblicken. „Wir haben die vorhandenen Kräfte in der automotiven Wertschöpfungskette in der Steiermark gebündelt, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern“, sagt ACstyria-Geschäftsführer Uwe Galler. Zugleich startete im Vorjahr die Internationalisierung des Clusters. Im Jahr 2005 habe man sich in Richtung Slowenien, Kroatien und Serbien orientiert. Heuer stehen Länder wie Rumänien, die Türkei oder die Ukraine auf dem Programm. Das Ziel ist, eine „Automotive Region Südosteuropa“ zu schaffen, die unter österreichischer Führung steht. Österreichs Cluster versuchen nach der internen Vernetzung nun auch mittels Internationalisierung im globalen Wettbewerb fi t zu bleiben. Produktionsbetriebe wandern Richtung Südost ab. Zugleich bieten die neuen Boom-Regionen wie China, Indien und Osteuropa Konkurrenz und Chancen gleichermaßen. Deswegen sind auch jüngst die drei österreichischen Automobil-Cluster (AC Styria, Automobil-Cluster Oberösterreich und Automotive Cluster Vienna Region) durch die Übernahme der Austrian Automotive Association (AAA) zwecks gemeinsamer Auslandsaktivitäten näher zusammengerückt.

China im Visier
AC Styria übernimmt dabei die südöstlichen Märkte, aber auch die Türkei, Ukraine, China sowie Nord- und Südamerika. Uwe Galler würde sich etwa über eine chinesische Firma im AC Styria sehr freuen. „Man darf nicht vergessen, dass die billigen Produktionsorte auch zunehmend Absatzmärkte werden“, meint Galler. Der Automobil-Cluster Oberösterreich und der Automotive Cluster Vienna Region konzentrieren sich auf die klassischen Märkte wie Deutschland, England oder Italien sowie die neuen Autoboom-Regionen Slowakei, Tschechien und Ungarn. „Wenn ein Cluster Aktivitäten in einem Land plant, werden freilich die anderen Cluster eingeladen“, erklärt Galler, zugleich Aufsichtsrat der AAA. Bislang konnte der ACstyria schon zehn neue internationale Mitglieder gewinnen. Darunter Flextronics in Ungarn, die wiederum gute Kontakte zu ukrainischen Unternehmen pfl egen. Neben dem Ziel, Richtung Südosteuropa zu expandieren, wofür die Schaffung einer Plattform für alle Cluster der einzelnen Regionen auf dem Programm steht, soll das Know-how in der Steiermark noch stärker durch die Bildung der Automotive Academy Styria, einer virtuellen Akademie, gebündelt werden. Über die gemeinsame Forschung und Entwicklung soll österreichisches Know-how an die Clustermitglieder in Ostund Südosteuropa exportiert werden. Das Ziel all dieser Aktivitäten ist es, so Galler, den Standort Steiermark, den man auch gerne als „Detroit der Alpen“ bezeichnet, zu stärken. Das aktuelle Schicksal Detroits – die einstige US-Automobilstadt steckt tief in der Krise – möchten die Manager des AC Styria ihrer Region durch diese Initiativen wohl ersparen.

Ausgewählter Artikel aus Printausgabe 02/2006

Alfred Bankhamer, Economy Ausgabe 02-01-2006, 17.02.2017