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27. März 2017

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Bewegungsfreiheit

Bewegungsfreiheit© piqs.de/klimperfritz

Der Kunde ist König. Es sei denn: Er ist Liftbenutzer. Dann lässt man ihn gnadenlos im Stau vor dem Drehkreuz frieren. Denn: Er könnte schließlich kein gültiges Ticket haben. Die neue Zugangstechnologie „Freemotion“ der Skidata soll diese Malaise beenden.

Da steht er nun in der Wartespur der Liftstation: der leidenschaftliche Alpinfreak, der die Freiheit der Berge genießen will. Er kramt in den Untiefen seiner Goretex-Jacke nach seinem sündteuren Ticket. Von hinten drängt die Meute – und vor ihm versperrt ihm ein ebenso grimmiges wie unintelligentes Drehkreuz jedes Weiterkommen: eine Situation wie einst an gewissen Ostblock-Übergängen. Seine sehnsüchtige Hoffnung: dass solch feindlich anmutende Barrieren in naher Zukunft einmal obsolet werden. Er ist Gast, er hat sein Ticket in der Tat brav bezahlt: Warum geht der Liftbetreiber dennoch davon aus, dass der Besucher a priori keine gültige Berechtigung hat? Warum nimmt man nicht freundlicherweise das Gegenteil an, kontrolliert durch fortschrittliche Funk-Technologie den irgendwo am Körper mitgeführten Liftpass – und verwehrt den Zutritt erst, wenn sich jemand durchschwindeln will? Nun: Unser genervter Alpin- Freak kann seit der heurigen Wintersaison aufatmen, signalisiert der in Gartenau bei Salzburg ansässige Weltmarktführer im Ski-Ticketing, die Skidata. Und präsentiert als erster Mitbewerber im international heiß umkämpften Markt für technische Zugangskontrolle eine revolutionäre Lösung, welche auf martialische Drehkreuze mit ihrer Symbolik des systematischen Misstrauens gänzlich verzichten kann: Freemotion.

Nomen est omen
Der Gast erhält damit wesentlich mehr Bewegungsfreiheit, er gelangt schneller und bequemer auf die Piste. Das Drehkreuz wurde bei dieser so genannten Open Gate-Technologie endgültig abgeschafft und durch eine Station mit einem Einzelarm ersetzt, der prinzipiell geöffnet ist. Und nur wenn ein Besucher ohne gültiges Ticket den Detektionsbereich betritt, schwenkt der Arm blitzschnell hoch, und der Zutritt ist bis zur Klärung der den Vorgang auslösenden Umstände gesperrt. Der größte Vorteil an dieser neuartigen Lösung: An den viel frequentierten Liftstationen löst sich dadurch der Stau und weicht einem freien Durchfluss.

Ein Fußball als Testkunde
Zugleich gewährleistet ein ausgeklügeltes System von Doppelantennen einen unmerklich und in Echtzeit durchgeführten Check der Liftpässe, wobei diese Open Gate-Technologie naturgemäß besonders optimal in Skigebieten funktioniert, welche einen hohen Anteil an Handsfree-Tickets (also Datenträgern mit RFID-Chips) aufweisen. Dennoch: Auch mit den gewohnten Barcode-Tickets oder Magnetkarten lassen sich die Freemotion Gates der Skidata einwandfrei (jedoch um eine Spur langsamer) betreiben. Wie exzellent das durch ein Team von rund 50 Mitarbeitern in fünfjähriger Arbeit entwickelte System funktioniert, konnte ein Extremtest beweisen, so der verantwortliche Business Segment Manager der Skidata, Harald Bacher: „Wir wollten es ganz genau wissen, haben daher einen mit Datenträger versehenen Fußball durch das Gate geschossen – und die Zugangsberechtigung wurde einwandfrei erkannt.“ Selbst notorisch skeptische Liftbetreiber dürften, mit einem derart anschaulichen Argument konfrontiert, von der Wirksamkeit der neu entwickelten Technologie überzeugt werden können. Und letzten Bedenken, dass unehrliche Skigäste die Kundenfreundlichkeit von Open Gate ausnützen könnten, zerstreut die Skidata mit einem zusätzlichen Higtech- Paket namens Gate Keeper, das unter anderem begleitende Fotoerfassung, Größenerkennung und effiziente Bewegungssensoren umfasst. Wie dem auch sei: Eine spannende Frage bleibt, wie der internationale Markt auf das faszinierende Hightech-System Freemotion reagiert, wie die eher bodenständig agierenden Liftgesellschaften darauf ansprechen. Dennoch: Einige der größten Ski-Resorts in den französischen Alpen, darunter Les Trois Vallées und L‘Espace Killy, haben bereits geordert. In mehreren Projektstufen sollte die neuartige Open Gate-Lösung bis zur nächsten Wintersaison flächendeckend installiert sein. Die Skidata hat wohl einigen Grund zum Optimismus.

Ausgewählter Artikel aus Printausgabe 01/2006

Links

Jakob Steuerer, Economy Ausgabe 01-01-2006, 03.02.2017